von der dunav zur dunarea – zu dritt

In Belgrad laden wir unsere Akkus wieder auf und Kringel schläft fast einen ganzen Tag durch. Wir geniessen es, den Tag nicht nur sitzend zu verbringen und nicht jeden Tag aufs Neue alles ein- und auspacken zu müssen. Nach einem Tag Verschnaufpause freuen wir uns darauf, Jens – ebenfalls eine Abenteuerseele – in Belgrad zu empfangen, der sich auf den Weg gemacht hat unsere Besatzung für 7 Tage zu ergänzen. Wir erkunden zu dritt die Stadt, geniessen die Atmosphäre, essen serbischen Käse, das beste Eis des Universums (was uns unser wundervoller Gastgeber Nikola gezeigt hat, nochmal vielen Dank!) und kehren einen Tag später zum Kanu zurück.

Nachdem alles Gepäck und unser Paddelgas im Boot verstaut sind, staunen wir darüber wie tief wir im Wasser liegen, als auch schon die erste Welle ins Boot schwappt.. Aber das entmutigt eine donautaugliche Truppe wie uns nicht und wir starten in eine Woche voller Pleiten, Pech und Abenteuer…

Schon am zweiten Tag regnet es so stark, dass wir am frühen Nachmittag unser Lager aufschlagen müssen. Einen Tag später sind wir auf einer Insel gefangen, weil der Wind so stark weht, dass das Geschaukel auf den Wellen uns zu heikel wird… An der Grenze zu Rumänien guckt uns der Grenzpolizist mit strengem Blick an und sagt: „You have two Problems…!“ und wir bekommen nur über Umwege und eine kleine Notlüge unseren Ausreisestempel. Und am letzten Tag auf dem Weg von einer Insel zum Festland reisst das Boot ein und wir wagen uns bei starken Windböhen und hohen Wellen auf das Wasser… Gleichzeitig schießt uns allen durch den Kopf, dass Jens in dieser Woche alle Katastrophen auf einmal erlebt hat – nur nicht das kentern! Aber zum Glück geht alles gut und wir erreichen trotz einigen Litern Wasser im Kanu das rettende Ufer. Allerdings gibt es von dort kein Weiterkommen mehr, da der Wind nur noch stärker wird (bis zu 65 km/h – nur zum Vergleich: eine leichte Brise hat ca. 10km/h). Wir verbringen unsere letzte Nacht zu dritt im Hostel und blicken schmunzelnd zurück auf viele spannende Momente mit Captain, Smutje und Paddelgas…

Dann sind wir auch schon wieder zu zweit und der wilde Herbst wütet. Wir kämpfen gegen rauen Wind und Nieselregen. Weiße Schaumkronen bilden sich auf den grünen Wogen der Dunarea und die Angler schütteln ungläubig die Köpfe, wenn sie unsere Nussschale zwischen den tosenden Wellen entdecken. Die Karpaten türmen sich rechts und links von uns auf, sind herbslich bunt gefärbt und verlieren ihre Gipfel in den tief hängenden, grauen Regenwolken – allerdings bleibt kaum Zeit sie zu bewundern.

Wir versuchen unsere ersten Worte in rumänisch und sind berührt von der Freundlichkeit der Menschen. Wir bekommen Brot, selbst gemachten Käse, selbst gebrannten Sliwowitz und viele andere Leckereien geschenkt, als wir wieder einmal nicht paddeln können und fühlen uns jetzt schon sehr willkommen in dem Land, wo wir bis zum Frühjahr bleiben werden.

Als sich der Wind legt, paddeln wir durch den kleinen Kazan, sind hingerissen von Einsamkeit, hohen Bergen, nacktem Fels und kleinen Wolken die sich zwischen den Bäumen verstecken zu scheinen. Aber bisher haben wir nur das Leben auf dem Fluss kennen gelernt und von den Dörfern und dem Drumherum nicht viel mitbekommen. Es fühlt sich gerade fast ein wenig so an, als wären wir abgeschnitten vom Leben im Land und wir merken, dass es Zeit wird, das „wahre Gesicht“ Rumäniens in all seinen Facetten kennen zu lernen….

von der duna zur dunav

Während wir nach einem langen Wochenende zwischen Buda und Pest durchpaddeln, bietet sich uns ein völlig anderer Blick auf die Stadt, den wir als gelungenen Abschluss einer schönen Zeit mit interessanten Kontakten und vielen Eindrücken sehr geniessen. Und zu dem Zeitpunkt ahnen wir auch noch nicht, was die nächsten Tage für uns Spannendes bereit halten…

Wir suchen uns kurz hinter der Stadt einen Lagerplatz und staunen am nächsten Morgen nicht schlecht, als es sich direkt vor unserem Zelt zwei Angler in der Frühe gemütlich gemacht haben. Sie sind schockiert darüber, dass wir das Donauwasser zum Kaffeekochen benutzen wollen und prompt bekommen wir Wasser, Weißbrot und einen frisch geangelten Fisch geschenkt. Wir unterhalten uns noch eine Weile mit Händen, Füßen und viel Zeichensprache mit dem Angler Joszéf und so viel Herzlichkeit und Freundlichkeit am frühen Morgen sorgen dafür, dass wir beschwingt in den Tag starten.

An der ungarischen Grenze, von wo aus die Donau die Grenze zwischen Kroatien und Serbien bildet, wird uns mitgeteilt, dass wir von nun an in jedem Land einen Einreise- und Ausreisestempel bekommen müssen, jedoch liegen die Zollstation bis zu 100km auseinander. Nachdem wir unseren Ausreisestempel in Ungarn bekommen haben, müssen wir 30km bis zur serbischen Station fahren. Hier werden 65 Euro Gebühr fällig, allerdings hatte die „Kasse“ schon geschlossen und wir sollen den Papierkram einfach in Novi Sad, 150km flussabwärts erledigen und währenddessen auf der kroatischen Seite übernachten, da wir ohne Einreisestempel nicht in Serbien schlafen dürfen. Gesagt, getan. Aber dann geht der ganze Spaß erst los: die kroatische Polizei hält uns auf dem Fluss an und erklärt uns, dass wir nicht in Kroatien übernachten dürfen, weil wir keinen kroatischen Einreisestempel haben. Wir sollen einfach auf der serbischen Seite bleiben und uns am nächsten Tag in der kroatischen Zollstation melden – 75km entfernt, was ziemlich viel ist, da die Donau zu dieser Zeit keine nennenswerte Strömung hat. Mittlerweile fühlen wir uns schon wie Verbrecher, nirgendwo geduldet und schlagen unseren Schlafplatz illergalerweise, versteckt hinter ein paar Büschen auf.

Am nächsten Tag liegt folglich eine lange Etappe vor uns und wir kommen in der kroatischen Zollstation abends im Dunkeln und bei Regen an. Nach einigem hin und her bekommen wir direkt Einreise- und Ausreisestempel und befinden uns aber wieder illegal zwischen Kroatien und Serbien, weil wir uns eigentlich noch am selben Tag in Novi Sad, Serbien melden müssten. Zwischen den beiden Orten liegen übrigens 80 km und wie toll der nächsten Tag war kann man sich jetzt denken… Das einzig Gute daran ist: Hier verläuft das Einchecken total unkompliziert, keiner will uns 65 Euro abknöpfen und wir bekommen den ersehnten serbischen Stempel. Wer bei diesem hin und her nicht mehr mitkommt – wir tun es auch nicht 😉

Nachdem alle Stempel auf den richtigen Papieren platziert sind, fahren wir an Sremski Karlovci vorbei und stoßen auf eine ziemlich tolle Einrichtung: Ein Eco Center mit Hostel und verschiedenen Projekten, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit angeht. Die Mitarbeiter dort sind sehr freundlich und laden uns direkt zum Essen ein: typisch serbisches Paprikasch mit Brot, einen Rakija und als Nachtisch Apfelstrudel – alles von der Mutter einer der Mitarbeiter selbst gemacht und unglaublich köstlich. Wir machen eine Führung durch die Einrichtung und die nebenan liegende Sprachschule und haben einen richtig interessanten Tag.

Der Herbst kommt mit langen Schritten immer näher, färbt die Bäume gold-gelb und lässt die Abendsonne alles in ihr warmes Licht tauchen. Der Wind umspielt uns, nimmt zeitweise alle Gedanken mit sich und lässt nur Platz für freie Glückseligkeit. Viele Kilometer artenreicher Auwald säumen hier das Ufer und das Bild der Naturidylle wird nur von dem ganzen Müll gestört, der am Ufer angespült wird – dafür werden wir überall sehr freundlich empfangen und es entwickeln sich schnell interessante Gespräche mit Einheimischen. Die Temperaturen sorgen dafür, dass wir nicht mehr jeden Tag mit Vergnügen in die Donau springen, sondern nur widerwillig untertauchen beim Baden.

Am nächsten Morgen setzen wir unseren Weg nach Belgrad fort und da der Herbstwind günstig weht und Kringel in der Mittagspause zufällig eine Plane findet, baut er kurzerhand ein super funktionierendes Segel, was uns im Nu vorwärts treibt. Wir reiten so schnell über die schäumenden Wellen, dass es nur so in den Ohren rauscht und wir gar nicht so stark paddeln müssen.

Und dann ist er da. Kurz vor Belgrad: Kilometer 1190 – unser Kilometer-Bergfest! Es ist zwar schon dunkel, als wir ankommen, aber das Gefühl ist unbeschreiblich. Wir wissen, dass wir 1190000 Meter im Kanu mit unser eigenen Muskelkraft zurück gelegt haben. Wir sind von Deutschland nach Serbien, von Regensburg bis nach Belgrad gefahren in unserer Nussschale „Fortwienix“ – eine Strecke, die sich so weit anhört. Dieses Gefühl breitet sich wohlig warm im Bauch aus und macht uns fast ein wenig stolz und wir werden es in Belgrad ein wenig auskosten, während wir uns eine kleine Paddelpause gönnen um uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen…