von der dunarea ins apuseni gebirge

Während wir beim Paddeln noch überlegen, ob wir jemanden finden, der unser Fortwienix bis zum Frühjahr beherbergt, werden wir erneut von der Grenzpolizei zu einer Passkontrolle angehalten, was schon zu einem alltäglichen Prozedere geworden ist. Wir unterhalten uns mit einem netten Polizisten, der die einzige deutsche Person der Stadt kennt und nach einem Anruf taucht Ralf knappe zehn Minuten später im Kajak auf der Dunarea auf und begleitet uns zu seiner Pension. Nachdem wir uns über unsere Reise unterhalten folgt das Angebot, unser Kanu bei ihm zu lassen kurz darauf und uns fällt ein Stein vom Herzen. Wir nehmen uns zwei Tage Zeit um unsere Wanderroute nach Rachitele zur Organic Art Ranch zu planen und als wir unsere täglichen Wanderetappen eingeteilt haben, werden wir gebeten schon drei Tage später dort anzukommen. Wir werfen unseren Plan über den Haufen, packen unsere Sachen und fahren per Anhalter Richtung Cluj Napoca.

Nach einer Nacht in der Nähe von Alba Iulia auf einem unvergleichlichen Zeltplatz und einer weiteren in Cluj geht es weiter nach Rachitele und auf dem Weg dorthin werden wir von Deutschen sogar bis in das kleine knapp 900 Seelendorf mitgenommen. Roger, Zsuzsi und Morris (ein weiterer Helfer aus Schweden) heißen uns willkommen und wir fahren den holprigen, nebligen und steilen Weg hinauf zur Farm, die seither unser Zuhause ist.

Auf einem großen Gelände mit zwei Gemüse- und einem Obstgarten, zwei Katzen, 8 Hühnern (jetzt noch 7), zwei Holzhäusern, einer Scheune und einer Feuerstelle gibt es einiges zu tun und wir geniessen die gemütliche und familiäre Atmosphäre. Der wunderschöne Ausblick auf die Apuseni Berge begleitet unseren Tag und wir sind beeindruckt von der Lebensweise von Zsuzsi und Roger, die erst seit einigen Jahren Elektrizität auf der Farm haben. Fließend Wasser gibt es nur außerhalb der Gebäude, die Dusche ist unter freiem Himmel und das Plumpsklo ist so positioniert, dass man den atemberaubenden Ausblick auf die Berge bei seinem Geschäft in voller Pracht geniessen kann. Unser Schlafplatz ist unter dem Dach der unbeheizten Scheune und wir starten morgens mit der frischen Milch der Kühe des Nachbarn Abraham und Müsli mit Früchten und Nüssen in den Tag. Kringel ist Feuer und Flamme, als wir unsere erste Aufgabe bekommen: Äpfel sammeln und schreddern, um den hier sehr beliebten Schnaps Palinka herzustellen. Wir werden während des Pflückens von den Kühen des Nachbarn besucht, die auch sehr gerne Äpfel essen, füllen die zwei 220 Liter Lagerfässer bis zum Rand mit Apfelstücken, welche nach dem Lagerprozess im Frühling zur Destillerie gebracht werden.

Alle paar Wochen kommen die Schäfer mit ihren knapp 400 Schafen vorbei und wir sind fasziniert von der Menge an unterschiedlichen Pfeiftönen, mit denen sie ihre Herde in unterschiedliche Richtungen leiten können. Wir helfen bei der Zubereitung einer Hühnersuppe, die mit dem Fangen, Köpfen, Rupfen und Ausnehmen des Huhns und nicht mit einem Besuch im Supermarkt beginnt. Geheizt wird mit Holz, allerdings nur in dem gemütlich und traditionell eingerichteten Wohnzimmer- und Kochhaus: rechts in der Ecke befindet sich der Ofen und direkt davor zwei in die Jahre gekommene Sessel, die mit kuscheligen Fellen bestückt sind, an den Wänden hängen bunte gemusterte Teppiche und bemalte Teller und ein typisches Bild von Jesu Geburt. Das Bücherregal ist mit vielen Büchern über Gemüseanbau und -Preservation ausgestattet, neben Romanen und Sachbüchern aus aller Herrenländer, die andere Reisende hier gelassen haben. Kringel hat nach der Schnapsherstellung die Aufgabe bekommen an der Fachwerk-Konstruktion als Erweiterung des Schlafhauses von Zsuzsi und Roger zu arbeiten, er kann in der Ausbildung Gelerntes anwenden und von weitem kann man manchmal seinen Kopf rauchen sehen…. 😉

Ich helfe viel bei der Gartenarbeit und bin wenn Zsuzsi nicht da ist für das Kochen zuständig, was mir eine Menge Spaß bereitet. Das Gemüse und Obst wurde im Sommer und Herbst geerntet oder eingelegt und an Kräutern gibt es alles, was das Herz begehrt und so haben sich unsere Körper die letzten zwei Wochen von den Strapazen des Paddelns gut erholen können. Dienstags fahren wir zusammen zum Markt nach Huedin, wo es angefangen bei Placinta (einem frittierten Teigfladen mit wahlweise Käse, Pilzen oder Marmelade und Nutella) über Obst und Gemüse, Trödel, Möbel und Werkzeug alles gibt, was man für den Alltag in Rumänien braucht. Sonntags haben wir einen freien Tag, den wir mit einem oppulenten späten Frühstück beginnen und dann nichts tun außer entspannen. Das Wetter hat sich diesem gemütlichen Tag ebenfalls angepasst und so war als wir heute morgen aufgewacht sind, war alles von einer zehn Zentimeter dicken Schneeschicht bedeckt…