auf in wärmere gefilde

Spontane Ideen sind bekanntlich die besten – und so haben wir uns kurzerhand überlegt, Weihnachten nicht auf der Ferma Indianului zu feiern sondern in Sibiu. Wir haben einen kurzen Schlenker über Brasov gemacht, in Sibiu einen deutschen Gottesdienst besucht und anschließend Samale, ein typisch rumänisches Gericht gegessen. Für Silvester haben wir uns überlegt, zu einer Villa in den Bergen zu wandern und dort zu zelten. Nach so einer langen Zeit in Transilvanien mussten wir natürlich auch das Schloß Bran besuchen, auf dem Vlad Dracul, besser bekannt als „Graf Dracula“ vor 600 Jahren einige Nächte verbracht hat und entdecken in der Nähe einen Wanderweg durch die Berge. Der Weg führt steil bergauf, der Schnee wird immer tiefer und die Aussicht über die weite Landschaft ist atemberaubend schön. Wir kämpfen uns mit den schweren Rucksäcken weiter vorwärts und es wird immer später. Wir erreichen den Gipfel des Berges auf 1300 Metern als die Sonne untergeht und uns wird klar, dass wir es nicht mehr zur Villa schaffen. In der frostigen Kälte und im Tiefschnee bauen wir das Zelt auf, schlafen erschöpft von der harten Wanderung schon um 20 Uhr ein und werden erst von den Neujahrsraketen wieder geweckt. Wir staunen über das bunte Feuerwerk in den beiden Dörfern links und rechts von uns im Tal und begrüßen das neue Jahr mit einem Schluck Palinka. Während Kringel direkt ins Land der Träume verschwindet, liege ich noch einige Zeit wach und überlege mir eine unschlagbare Taktik, wie ich den hungrigen Bär, der (bestimmt) vor unserem Zelt lauert und uns als Festtagsmenü verspeisen möchte, überlisten kann. Mir schlägt das Herz bis zum Hals, als ich den Bär direkt neben meinem Kopf knurren höre – erleichtert stelle ich fest, dass es nur Kringels Schnarchen ist. 😉 Am nächsten Morgen erreichen wir die Villa nach zwei Stunden Wanderung und gönnen uns dort eine heiße Dusche und einen halben Tag Erholung.

Und dann beginnt unsere Odyssee in die Türkei. Wir haben uns überlegt, die Strecke zu trampen und den Weg entlang der Schwarzmeerküste gewählt. Glücklicherweise haben viele Leute Silvester in den Bergen verbracht, wir werden die ganze Strecke bis nach Bucharest von Alina und Radu mitgenommen und bekommen sogar einen Platz zum Übernachten angeboten, den wir dankbar annehmen. Die zweite Nacht verbingen wir in Konstanza und haben wieder das Glück, dass die Familie, die uns mitnimmt, uns einen Schlafplatz organisiert und wir nicht draußen schlafen müssen. Am nächsten Tag erreichen wir die Grenze zu Bulgarien und stellen fest, dass wir den verlassensten Grenzübergang gewählt haben. Nach einigen Stunden Wanderung entlang der autoleeren Straße schlagen wir uns in die Büsche und schlafen früh und lange.

Der vierte Tag ist abenteuerlich: wir fahren mit fünf verschiedenen Autos und werden schließlich direkt neben der Autobahn raus gelassen. Wir bekommen Besuch von der Polizei und verbringen eine ungemütliche Nacht im Zelt direkt neben der Autobahntankstelle, als wir morgens vor lauter Schnee das Zelt fast gar nicht mehr öffnen können. Der Schneesturm, welcher in der Nacht einsetzte, lässt den Verkehr komplett lahm liegen und um überhaupt vorwärts zu kommen entscheiden wir uns für eine rumpelige Busfahrt durch die Berge zur türkischen Grenze. Hier sammeln uns zwei türkische Männer mit ihrem VW-Bus ein, bei dem allerdings die hinteren Türen zugefroren sind und wir sitzen vorne eingequetscht zu viert auf zwei Sitzen. Uns wird erzählt, dass in der Türkei der kälteste Winter seit 30 Jahren herrscht, bei dem Blick aus dem Fenster staunen wir über umgefallene Autos und direkt vor uns passiert sogar ein Unfall auf der vereisten Straße.

Die nächsten drei Tage kommen wir unserem Ziel Marmaris immer näher, wir fahren mit der Fähre über das ägäische Meer, verbringen eine Nacht in Izmir und freuen uns über wärmere Temperaturen und darüber, dass es um uns herum langsam immer grüner wird. Wir werden als krönenden Abschluss von einem LKW-Fahrer mitgenommen, kriechen die Berge hoch und wandern das letzte Stück bis zur Marina in Marmaris, wo wir die nächste Zeit auf einem alten Gulet verbringen werden.