von abschieden und wiedersehen

Wir haben bei Hüseyin auf der Insel Cunda doch noch mehr Zeit verbracht, als zuerst geplant. Wir haben seine kleinen weißen Segelboote in Trimarane umgewandelt, Löcher gefüllt, die Boote neu lackiert und mit Namen versehen. Anschließend haben wir sie mit einem Anhänger zur Bucht transportiert, das Segel am Mast befestigt und an einem sehr windigen Tag durften wir alleine mit dem Boot „Cakil“, was nach Hüseyins Tochter benannt ist, das erste Mal aufs Wasser. Uns ist das Herz in die Hose gerutscht, als der starke Wind uns über das Wasser gezerrt hat, aber nach ein wenig Ausprobieren hatten wir den Dreh raus wie wir Segel und Ruder richtig einsetzen und haben das Gefühl genossen, uns vom Wind ziehen zu lassen.

In den nächsten Tagen haben wir zusammen mit Hüseyins Freunden und seiner Familie Ausflüge zu den umliegenden Inseln unternommen, um dort ein „Barbekü“ oder ein Lagerfeuer zu machen und den Tag zu genießen. Mit den Motorrädern haben wir die Insel und Ayvalik erkundet, Hüseyins Motorradclub kennen gelernt und Ausflüge zu dem bunten und lebhaften Obst- und Gemüsemarkt gemacht. Abends haben wir oft lange draußen gesessen, geredet, Raki getrunken und musiziert und einmal ist sogar ein Fuchs in die Nähe des Hauses gekommen, den Hüseyin mit einem großen Stück Gemüsequiche gefüttert hat.

Ein besonderes Erlebnis war, Hüseyins Geburtstag zu feiern: nach einem unglaublich leckeren Menü mit gefüllten Weinblättern „Sarma“ und anderen türkischen Köstlichkeiten wurde musiziert, gesungen und getanzt. Der beste Freund von Hüseyin spielt das typisch türkische Streichinstrument Tambur und wir haben türkischen Volksliedern gelauscht, die von der ganzen Familie lautstark gesungen wurden. Schließlich haben wir sogar alle zusammen musiziert und mit der Mischung aus Ukulele, Tambur, Gitarre, Saxophon und Trommel einzigartige Versionen von „Piano Man“ und „Ein Kompliment“ kreirt.

Kurz bevor wir nach Rumänien aufgebrochen sind, hat Lisa aus Amerika unser „Bootsbauerteam“ ergänzt und wir hatten zur viert eine unvergessliche Zeit. Sie ist seit fünf Jahren immer mal wieder am reisen und hat unglaublich spannende Jobs in der Zeit gehabt und Dinge erlebt, die andere in 50 Jahren nicht erleben!

Aber trotz unserer schönen Erlebnisse merkten wir, dass es langsam Zeit wird aufzubrechen und zurück nach Rumänien zu trampen. Wir haben in den Wochen bei Hüseyin Pläne geschmiedet, wie unsere Reise weiter gehen soll und die Vorfreude, zurück zu unserem Kanu zu kommen, steigt.

Also haben wir unsere Rucksäcke gepackt, uns schweren Herzens verabschiedet und uns auf den Rückweg nach Rumänien gemacht. Innerhalb von zwei Tagen haben wir es geschafft, von Ayvalik zurück nach Cluj zu trampen, sind mit Traktoren, einem Bus, ein paar LKWs und vielen Autos gefahren und haben sogar eine Nacht in der Fahrerkabine eines LKWs verbracht. Die Freude war riesig als wir unseren Freunde aus Rumänien Judit, Guilhem, Roger und Zsuzsi wieder gesehen haben und wir freuen uns darauf, ein bisschen Zeit auf der Organic Art Ranch zu verbringen, bevor wir bald wieder auf der Donau das Paddel schwingen…