umgeben von bergen, pferden und jurten

Nachdem wir uns bei Miras in Almaty eine längere Verschnaufpause gegönnt haben, brechen wir zu neuen Abenteuern auf. Unser nächstes Ziel ist der Charyn Canyon, auch genannt der „kleine Bruder des Grand Canyon“. Bevor wir los Trampen läd uns Miras noch zu einer besonderen Spezialität in Kasachstan ein: wir trinken Kumiß (vergorene Stutenmilch), Kamelmilch und essen die kasachische Spezialität Beschbarmak (Pferdefleisch mit Nudeln).
Miras und Emily, seine Freundin aus Deutschland, bringen uns zu einem guten Punkt und wir Trampen los. Als es bereits dunkel wird erreichen wir die Abzweigung zum Canyon, von dort aus sind es aber immer noch 23 km zu laufen.
Wir gehen bis wir müde werden durch die Dunkelheit und entschließen uns, das Zelt aufzuschlagen. Gerade als wir einen guten Platz gefunden haben, blitzen in der Ferne Scheinwerfer auf, ein Auto! Wir eilen zurück zum Weg und werden tatsächlich von einem Laster eingesammelt auf dessen Ladefläche wir bis zum Canyon mitfahren können, was ein Abenteuer! Der LKW kämpft sich steile Wege hinauf, rutscht auf der anderen Seite auf dem sandigen Boden wieder hinunter und schiebt sich zwischen engen Felsen hindurch in feinster Millimeterarbeit. Die atemberaubenden Felsformationen türmen sich höher und höher neben uns auf und wir genießen diesen besonderen Anblick von unserem wackligen Gefährt aus.

Es ist ein atemberaubender Anblick morgens im Canyon aufzuwachen, umgeben von vielen wirren rostroten Felstürmen und dem brausenden Charyn Fluss. Nach einer Wanderung durch die Schlucht trampen wir zu dritt, mit Marco aus Italien zur kirgisischen Grenze, was sich aber schwieriger als gedacht heraus stellt. Eine halbe Stunde vor Grenzschluss schaffen wir es auf die andere Seite und der Taxifahrer auf der kirgisischen Seite ist sich seines Wertes bewusst und verlangt dreist 100 $ für die knapp 120 Kilometer-lange Fahrt. Im ersten Moment halten wir es für einen Scherz, dann wird uns unsere Situation und das sich nährende starke Gewitter bewusst. Wir können zum Glück am Preis noch etwas verhandeln und machen uns auf den Weg nach Karakol.

Am nächsten Tag kommen wir erst spät aus Karakol los da es stark regnet. Das Trampen gestaltet sich schwieriger als bisher, da es hier nicht allzu geläufig ist und leider können wir uns mit unseren paar Worten russisch auch nicht besonders viel unterhalten. Wir fahren am Issyk Köl See entlang und werden von einem Mann mitgenommen, der doch ein bisschen Englisch spricht. Er lässt uns in einem kleinen Dorf raus und wir kaufen unseren Vorrat für die nächsten Tage ein. Als wir aus dem Dorf heraus laufen, grüssen uns die Kinder und wir haben Glück als ein mit polnischen Pfadfinden gefüllter VW Bus uns aufpickt und sogar bis zu unserem Ziel, dem Song Köl See mitnimmt.

Während wir Morgens unser Frühstück in Nähe des Sees zubereiten, bekommen wir Besuch von Talai auf seinem Pferd, der den Sommer über mit seiner Familie in einer Jurte am Issyk Köl See lebt. Er lädt uns ein, ihn und seine Familie zu besuchen und wir packen unsere Rucksäcke und wandern zu der Jurte, wo er mit seiner Frau und den 4 Kindern die drei-monatigen Sommerferien verbringt. Die Jurte hat einen niedrigen Eingang und ist mit Teppichen ausgelegt. Ein rotes Holzgerüst trägt die Aussenhaut aus Filz. und die Hutze über dem Loch in der Mitte des Daches kann man je nach gewünschtem Lichteinfall auf- oder zuziehen. Wir setzen uns auf bunte Decken mit traditionellen krigisischen Ornamenten, ein niedriger Tisch wird herein getragen und die Mutter überreicht uns mit einem goldenen Lächeln eine Schale mit schwarzem Tee. Wir bekommen frische Kumiß und Brot mit Blaubeermarmelade und Kaymak (Sahne) serviert. Wir unterhalten uns mit Händen, Pantomime und unseren paar Worten russisch und nachdem wir uns gestärkt haben, dürfen wir noch eine Runde mit Talais Pferd drehen.
Wir sind beschwingt von diesem besonderen Start in den Tag und treten unsere Wanderung um den auf knapp 3000 Meter liegenden Gebirgssee herum an. 25 Kilometer auf dem Schotterweg, kaum ein Auto fährt vorbei. Als Snack für zwischendurch haben wir eine typisch kirgisische Spezialität dabei: karamelisierte Erdnüsse mit Sesam ummantelt.


Nachmittags werden wir erneut in eine Jurte eingeladen und die drei Jungs der Familie versuchen uns stolz zu erklären, wie sie leben: geheizt wird die Jurte mit Brickets aus Schafdung, die Tiere verbringen den Sommer in der Natur am See und werden zum Winter hin verkauft. Manche Jurten verdienen zusätzlich Geld mit Pferdetouren oder dem Verkauf von Kumiß oder Qurt, manche bieten Jurten zur Übernachtung an.
Nach einer weiteren Wanderung zu einem schönen Zeltplatz mit Blick aufs Wasser bekommen wir erneut Besuch: ein junger Mann mit seinem Pferd trabt herbei, fragt uns woher wir kommen und bietet uns an auf seinem Pferd zu reiten. Wir freuen uns über das nette Angebot, reiten ein bisschen und so schnell der Mann aufgetaucht ist, so schnell reitet er auch wieder davon. Wir schlagen erschöpft von den ganzen neuen Eindrücken und Geschmäckern des Tages das Zelt auf und die Sonne geht langsam unter…