ruck zuck zurück

Einschläfernd tuckert der Zug vor sich hin und wir lassen die letzten aufregenden Tage in der Mongolei noch einmal Revue passieren: Wir haben zwei unvergessliche Tage mit einer Nomadenfamilie gelebt und sind mit Pferden durch die Steppe geritten bis uns der Hintern weh tat, wir haben im Hostel einen gemütlichen Abend mit anderen Reisenden verbracht und sind vom einem reisenden Koch aus Frankreich kulinarisch verwöhnt worden, wir haben einen Schamanin aus Chile kennen gelernt und sehr interessante Gespräche über die Kraft unserer Gedanken geführt und sind schließlich mit unserem Ticket in die transsibirische Eisenbahn gestiegen, die uns in kürzester Zeit eine Strecke zurück legen lassen wird, für die wir vorher Monate gebraucht haben…

Wir fahren durch den beginnenden mongolischen Winter zurück in den russischen Herbst hinein, die Landschaft ändert sich von einer weißen Schneedecke hin zu buntem Herbstlaub und zusammen mit der Zeitverschiebung fühlen wir uns einmal innerlich durchgeschleudert. Der Zug ist recht leer, in unserem Vierer-Abteil sind wir zu zweit, im Rest des Waggons befinden sich noch fünf andere Reisende plus die Zugbegleiterin. Ab und zu halten wir an größeren Bahnhöfen, können uns für einige Zeit die Füße vertreten und Vorräte auffüllen, dann geht es wieder weiter Richtung Westen. Leider bietet unser Transitvisum keine Möglichkeit, das Land genauer zu erkunden für die ganze Strecke aus der Mongolei bis zur estischen Grenze haben wir sieben Tage Visum bekommen.

Fünf Tage später steigen wir in Moskau aus dem Zug aus und werden vom Kulturschock überrascht. Mit einem heftigen Jetleg tigern wir über den  überfüllten R oten Platz und die westliche Kultur holt uns langsam wieder ein. Wir verbringen zwei schöne Tage in St. Petersburg mit Nastia und Aleksey und dann hat uns Europa auch schon wieder: an der Grenze zu Estland tauschen wir unser übrig gebliebenen Rubel wieder in Euros um und brechen zu Kira auf, die gerade einen einjährigen Freiwilligendienst in Tallinn macht. Wir verbringen eine sehr entspannte Woche bei ihr, bevor wir uns per trampen immer weiter der Heimat nähern. Sehr interessante Menschen sammeln uns ein und wir geniessen es, wieder besser mit den Einheimischen kommunizieren zu können als in der Mongolei.

In Riga treffen wir auf Joe, der an der Mongol Rally teilgenommen hat und nun das kleine gelbe, klapprige und mit stickern beklebte Auto zurück nach England bringen soll. Gemeinsam laufen wir nach einer Nacht im Squirrel Hostel zu seinem Auto und er stellt fest, dass dies aufgebrochen wurde. Völlig entspannt entscheidet er sich dazu, lieber weiter zu fahren als den Schaden aufnehmen zu lassen. Joe nimmt uns mehrere Tage mit und kurz vor der deutschen Grenze sind wir wieder auf uns gestellt. Wir müssen besonders lange auf ein Auto nach Berlin warten und dann geht alles ganz schnell: die Grenze bemerken wir nicht mal richtig und schon sind wir wieder in Deutschland! Wir steigen in Berlin aus dem Auto und es fühlt sich verrückt an: wir verstehen wieder alles!! Straßenschilder, Beschriftungen, Poster, Werbung, Gespräche der Menschen, Leute am Handy… Alleine dieser Moment fühlt sich „Zuhause“ schon wieder so nahe an. Flippi heißt uns für eine Nacht herzlich willkommen und am nächsten Mittag haben wir Glück und ein junges Paar aus Köln nimmt uns sogar mit bis vor Kringels Haustür. Nach fast auf den Tag genau 14 Monaten reisen kommen wir wieder dort an, wo wir vor langer Zeit mit flaumen Magen gestartet sind und als wir unsere Freunde und Familie in die Arme schließen, fühlt es sich gleichzeitig unwirklich und wunderschön an. Wir freuen uns darauf, ein paar Wochen in gewohnter Umgebung zu verbringen, bevor wir wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen…