aus der finnmark

Schon mehr als vier Wochen sind wir nun im Norden Norwegens bei der Holmen Husky Lodge. In der letzten Zeit haben wir viel erlebt, gelernt und haben Leute aus den unterschiedlichsten Ländern der Erde kennen gelernt und viele, für die das Schlittenfahren eine ganz besondere Erfahrung ist… Aber ich beginne am besten am Anfang unserer Reise in den Norden!
Nach einem Monat Zuhause haben wir unsere Rucksäcke wieder gepackt – allerdings dieses Mal mit vielen warmen Winterklamotten und uns anschließend auf den Weg Richtung Norden gemacht. In Tromso ist unser erster längerer Stop und die Straßen sind glatt und vereist, am Straßenrand türmen sich die Schneeberge und wir steuern unseren Unterschlupf für die Nacht, Patricks Studenten-WG an. Dort werden wir von einer bunt gemischten Truppe aus europäischen Studenten empfangen, Patrick selbst kommt erst später und wir essen zusammen und erfahren mehr über das Leben in Norwegen. Erst am nächsten Nachmittag fährt unser Bus weiter Richtung Alta, folglich haben wir ein großzügiges Zeitfenster um Tromso zu erkunden. Wir laufen durch die kleine Fußgängerzone und erleben zum ersten Mal den Effekt der Dunkelheit auf unseren Körper: gegen 11 wird es hell und gegen 13 Uhr auch schon wieder dunkel – schlagartig werden wir müde und als es um halb 2 schon wieder stockduster ist, staunen wir nicht schlecht. Fast die ganze Busreise verbringen wir schlafend. Wir kommen gegen 21 Uhr in Alta an und werden von zwei Voluntären und dem Besitzer Eirik an der Bushaltestelle abgeholt. Am nächsten Morgen lernen wir die anderen Voluntäre kennen: Kamala und Sam aus Neuseeland, Chloe aus Frankreich, Lily und Waide aus Australien und Bram, der Manager, kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Wir werden langsam in den Tagesablauf eingeführt: Morgens werden die 96 Hunde gefüttert, dann kommt der „Poo-Pick“ – Hundekot aufsammeln.

Die Hunde sehen alle unterschiedlich aus, was aber ein typisches Merkmal für den Alaska Husky ist. Die Rasse wird speziell für Hunderennen gezüchtet und Arten werden mit anderen gekreuzt um spezielle Eigenschaften zu erzielen, beispielsweise werden sibirische Huskys wegen des dichten und warmen Fells zum Züchten benutzt, Schäferhunde wegen ihrer Stärke und Border Collie wegen ihrer Ausdauer und Schnelligkeit. Jeder Hund hat einen Namen und die einzelnen Geschwister bekommen meist Namen aus einer bestimmten Gruppe, so haben wir Curry, Saffron und Chili oder Adidas, Nike und Fila oder Achilles, Apollo und Athena. Beim Anblick der 96 Vierbeiner und der Aufgabe, bald alle Namen zu lernen bekommen wir große Augen – haben wir doch schon manches Mal im Sommerlager mit 40 Kindernamen Schwierigkeiten 😉

Aber schon unser erster Tag wird sehr aufregend: wir helfen beim Füttern und dürfen auch direkt bei einer Schlittentour mitfahren. Die Hunde werden in 6er Teams vor die Holzschlitten gespannt. Wir holen den jeweiligen Hund in seiner Hütte ab, ziehen ihm das passende Geschirr an und spannen ihn vor den Schlitten, welcher hinten an einem Holzpfahl mit einem Spannknoten befestigt ist. Sobald die Hunde merken, dass wir zu einer Tour aufbrechen, fangen sie aufgeregt an zu bellen und der Lärm ist ohrenbetäubend – jeder der Hunde möchte mitkommen. In Zweierteams fahren wir mit dem Schlitten, am ersten Tag sind Kringel und ich aber nur vorne sitzende Passagiere und geniessen die Aussicht auf die wundervolle Winterlandschaft entlang des Flusses. Mal geht es “hoyre” rechts entlang, manchmal “venstre” links – die einzelnen Schlaufen durch den Wald erscheinen mir wie ein Labyrinth und ich kann mir kaum vorstellen, dass ich mich irgendwann hier alleine zurecht finden soll… Der erste Tag endet mit einem Hundekampf, bei dem „Solo“ so stark am Kinn verletzt wird, dass er genäht werden muss. Die Tierärztin kommt und wir schauen alle interessiert zu, wie das Anästhetikum wirkt und der schlafende Husky wieder zusammen geflickt wird. Wir lernen auch einen letzten Bewohner des Hunde & Katzenhotels kennen: ein ziemlich großer, kupferfarben/weiß gemusterter Kater, der bei Gelegenheit auch mal übellaunig ausholt um nach einem zu hauen, oder einen schon beim Eintreten in den Flur mit einem vorwurfsvollen „maauuuu“ begrüßt. Überwältigt von den ganzen Eindrücken des Tages fallen wir müde in unsere Betten.

In den nächsten Tagen reiht sich ein Ereignis an das nächste: Wir fahren an einem ruhigen Tag zusammen in die Berge um die Strecke des Wochenendtrips kennen zu lernen und kommen in einen heftigen Schneesturm – vor lauter Schnee können wir die ersten Hunde an unserem Schlitten schon nicht mehr sehen und dann verfahren wir uns, so dass wir umkehren müssen. Kringel und ich fallen vom Schlitten und haben Glück, dass nichts passiert.

Wir sehen die ersten Nordlichter in einer klirrend kalten Nacht, sie tanzen in grünen Schwaden über uns hinweg und flimmern leicht.

Alle zusammen machen wir einen Ausflug in das Eishotel Sorrisniva und bewundern die aus Eis geschnitzen Wikinger-Figuren und die feinen in den Schnee gezeichneten Reliefs zu verschiedenen nordischen Sagen. Obwohl die Betten in den einzelnen Kabinen mit Rentierfellen ausgestattet sind, ist es recht kalt und als wir wieder nach draußen kommen, merken wir den Temperaturunterschied – plötzlich ist es draußen „warm“. 😉 Abends gibt es für uns zum Probieren „Finnbiff“, ein traditionelles Gericht aus Norwegen mit Rentierfleisch und einer Soße aus dem leicht süßen, karameligen Braunkäse „Gudbrandsdalost“ – ein paar Tage später probieren wir sogar Elchfilet.

Wir werden langsam in die restlichen Aufgaben rund um die Lodge eingearbeitet: Touristen begrüßen und einkleiden, Sicherheitstraining halten, nach der Tour in gemütlicher Atmosphäre mehr über die Hundesorte- und Zucht, das Training, Futter, Hunderennen (insbesondere die „Finnmarkslopet“ hier in Alta) erzählen… “Hotel-Arbeit”: Gäste einchecken, herumführen, Gäste mit Frühstück oder Abendessen versorgen, Betten beziehen und abbeziehen, Tipis reinigen und mit Feuerholz versorgen, Sauna anfeuern, den Whirlpool befüllen…

Unsere Tage sind abwechslungreich und keiner ist wie der vorherige: Manchmal purzeln Touristen vom Schlitten und wir müssen versuchen einen mit Karacho auf uns zurasenden Schlitten anzuhalten, manchmal beißt ein Hund sein Geschirr oder eine Zugleine durch, Hunde kämpfen oder besteigen sich oder andere unvorhergesehene Dinge passieren.

Langsam kommt Weihnachten näher und wir geniessen zwei Tage Ruhe und Erholung. In gemütlicher und ruhiger Atmosphäre feiern wir Weihnachten und Lily, die gelernte Köchin ist, zaubert ein wundervolles Weihnachtsfestessen mit ein bisschen aus jedem Land: Truthahn, Kartoffelsalat, Schweinekrustenbraten, Gemüse, Salat; als Nachtisch Mousse au Chocolat, Panna Cotta und hinterher noch eine prall gefüllte Käseplatte… Nach dem Essen kann sich keiner mehr bewegen und der oberste Hosenknopf ist schon geöffnet, aber die Schüsseln sehen aus wie unbeührt. Zwischen den Feiertagen haben wir viel zu tun und es gibt mehrere Tage, wo ganze Busladungen an Touristen angekarrt werden. Wir drehen Runde um Runde mit Leuten aus Indonesien, Holland, Australien, England, Indien und natürlich auch aus Deutschland.

Das Ende des Jahres nähert sich und auch an Silvester und Neujahr haben wir frei und können den ganzen Tag Karten spielen, faulenzen und geniessen.
Und dann eines Morgens haben wir beim Training der jungen Hunde im Morgenrot sogar Glück und uns läuft ein Elch über den Weg. Erst rennt er quer über das Feld und dann können wir ihn beobachten, als wir mit den Schlitten an ihm vorbei rauschen, während er uns vom Gebüsch aus beäugt…

ruck zuck zurück

Einschläfernd tuckert der Zug vor sich hin und wir lassen die letzten aufregenden Tage in der Mongolei noch einmal Revue passieren: Wir haben zwei unvergessliche Tage mit einer Nomadenfamilie gelebt und sind mit Pferden durch die Steppe geritten bis uns der Hintern weh tat, wir haben im Hostel einen gemütlichen Abend mit anderen Reisenden verbracht und sind vom einem reisenden Koch aus Frankreich kulinarisch verwöhnt worden, wir haben einen Schamanin aus Chile kennen gelernt und sehr interessante Gespräche über die Kraft unserer Gedanken geführt und sind schließlich mit unserem Ticket in die transsibirische Eisenbahn gestiegen, die uns in kürzester Zeit eine Strecke zurück legen lassen wird, für die wir vorher Monate gebraucht haben…

Wir fahren durch den beginnenden mongolischen Winter zurück in den russischen Herbst hinein, die Landschaft ändert sich von einer weißen Schneedecke hin zu buntem Herbstlaub und zusammen mit der Zeitverschiebung fühlen wir uns einmal innerlich durchgeschleudert. Der Zug ist recht leer, in unserem Vierer-Abteil sind wir zu zweit, im Rest des Waggons befinden sich noch fünf andere Reisende plus die Zugbegleiterin. Ab und zu halten wir an größeren Bahnhöfen, können uns für einige Zeit die Füße vertreten und Vorräte auffüllen, dann geht es wieder weiter Richtung Westen. Leider bietet unser Transitvisum keine Möglichkeit, das Land genauer zu erkunden für die ganze Strecke aus der Mongolei bis zur estischen Grenze haben wir sieben Tage Visum bekommen.

Fünf Tage später steigen wir in Moskau aus dem Zug aus und werden vom Kulturschock überrascht. Mit einem heftigen Jetleg tigern wir über den  überfüllten R oten Platz und die westliche Kultur holt uns langsam wieder ein. Wir verbringen zwei schöne Tage in St. Petersburg mit Nastia und Aleksey und dann hat uns Europa auch schon wieder: an der Grenze zu Estland tauschen wir unser übrig gebliebenen Rubel wieder in Euros um und brechen zu Kira auf, die gerade einen einjährigen Freiwilligendienst in Tallinn macht. Wir verbringen eine sehr entspannte Woche bei ihr, bevor wir uns per trampen immer weiter der Heimat nähern. Sehr interessante Menschen sammeln uns ein und wir geniessen es, wieder besser mit den Einheimischen kommunizieren zu können als in der Mongolei.

In Riga treffen wir auf Joe, der an der Mongol Rally teilgenommen hat und nun das kleine gelbe, klapprige und mit stickern beklebte Auto zurück nach England bringen soll. Gemeinsam laufen wir nach einer Nacht im Squirrel Hostel zu seinem Auto und er stellt fest, dass dies aufgebrochen wurde. Völlig entspannt entscheidet er sich dazu, lieber weiter zu fahren als den Schaden aufnehmen zu lassen. Joe nimmt uns mehrere Tage mit und kurz vor der deutschen Grenze sind wir wieder auf uns gestellt. Wir müssen besonders lange auf ein Auto nach Berlin warten und dann geht alles ganz schnell: die Grenze bemerken wir nicht mal richtig und schon sind wir wieder in Deutschland! Wir steigen in Berlin aus dem Auto und es fühlt sich verrückt an: wir verstehen wieder alles!! Straßenschilder, Beschriftungen, Poster, Werbung, Gespräche der Menschen, Leute am Handy… Alleine dieser Moment fühlt sich „Zuhause“ schon wieder so nahe an. Flippi heißt uns für eine Nacht herzlich willkommen und am nächsten Mittag haben wir Glück und ein junges Paar aus Köln nimmt uns sogar mit bis vor Kringels Haustür. Nach fast auf den Tag genau 14 Monaten reisen kommen wir wieder dort an, wo wir vor langer Zeit mit flaumen Magen gestartet sind und als wir unsere Freunde und Familie in die Arme schließen, fühlt es sich gleichzeitig unwirklich und wunderschön an. Wir freuen uns darauf, ein paar Wochen in gewohnter Umgebung zu verbringen, bevor wir wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen…

von jurten, adlern und salzigem tee

“Huu huudar!” wiederholt der Jäger, während er in einer Hand einen toten Hasen schwenkt. Er reitet auf dem staubigen Boden hin und her und wiederholt seinen Ruf, während das Publikum gespannt wartet was passiert. Auf der anderen Seite des großen Geländes auf einem Hügel können wir beobachten wie der große Adler seine Flügel ausbreitet und in Richtung des Jägers gleitet. Majestätisch und fokussiert fliegt er auf die Beute zu und das Publikum hält den Atem an, als er auf dem Arm des Mannes landet, stolz seine Flügel ausbreitet und sich sein Frühstück schmecken lässt. Der Anblick des großen Raubvogels jagt einem Respekt ein, die Augen des Tieres wirken intelligent, unergründlich und starr, die Krallen scharf.

Am Tag zuvor haben wir die zweitägige und anstrengende Busfahrt von Kasachstan über Russland in die Mongolei hinter uns gebracht und sind in Ulgii gelandet, wo wir davon erfahren, dass am nächsten Tag zufälligerweise das „Blue Wolf“-Adlerfestival statt findet, was wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Die Adlerjäger treten nacheinander vor die Jury und präsentieren sich in traditioneller Kleidung mit ihrem Adler, unter den ganzen Männern ist sogar eine junge Frau. Der erste Programmpunkt besteht darin, den Adler mit einem toten Hasen von der Ferne aus anzulocken, wie schon beschrieben. Aber nicht jeder Adler findet sein Ziel. Ein Adler wechselt den Kurs und fliegt bedrohlich schnell auf das Publikum zu. Er schnappt sich einen jungen Falken von einem heranwachsenden Adlerjäger aus dem Publikum ganz nach dem Motto: warum so weit fliegen wenn der frische Snack so nahe ist? Der Junge ist geschockt als sein Tier leblos an seinem Arm baumelt und der Besitzer des Adlers entschuldigt sich bei ihm.

Wir schlendern über das Festivalgelände, schauen uns die bunten, handbestickten Waren der Händler an und mittags essen wir in einer der vielen Jurten “Chuuschuur”, fleischgefüllte frittierte Teigtaschen und “Buuz” eine Art große gefüllte Tortellini. Man kann die Frauen dabei beobachten, wie sie mit einem gekonnten Handgriff die Nudeln formen, befüllen und anschließend mit einer hübschen Naht schließen. Zu diesen frisch zubereiteten Leckerein gibt es den traditionellen salzigen Milchtee „Süteei“, der aus den schön verzierten Schalen geschlürft wird.
Nachmittags schauen wir uns “Kyz kuu” an, ein Wettrennen zwischen Mann und Frau zu Pferd, anschließend gibt es einen spannenden Wettstreit um ein geköpftes Schaf, genannt „Bushkashi“. Der Tag ist aufregend und wir sammeln viele neue Eindrücke. Wir lernen andere Reisende aus der ganzen Welt kennen und zelten abends gemeinsam in der Nähe des Festivalgeländes.

Der nächste Morgen startet ähnlich wie der vorherige und über den Tag verteilt sehen wir ein Kamelrennen, Männer die vom Rücken des Pferdes aus möglichst viele Blumen auf einem Parcours pflücken und erneut den Wettbewerb um das kopflose Schaf, der allerdings im Chaos ausartet, weil sich zwei Gruppen streiten. Das Schaf wird über herumstehende Autos gezerrt, das Publikum muss aus dem Weg springen und die Männer prügeln sich – man kann nicht sagen, dass die Männer nicht mit vollem Einsatz und Leidenschaft bei der Sache sind 😉

Nachmittags ist das Festival beendet, das pompöse Ende gibt es allerdings abends im Theater von Ulgii, wo wir traditioneller Musik mit der Pferdekopfgeige und Gesang lauschen, ein mongolisches Orchester sehen und sogar den typischen Kehlkopfgesang „Doschpuluur“ kennen lernen.
Nach diesem fulminanten Abschluss gönnen wir uns mit der großen Gruppe aus Reisenden ein Essen im Restaurant und unterhalten uns lange mit Silvia aus der Schweiz und Pyn aus London, die sich am anderen Ende der Welt kennen gelernt haben und mit zwei Pferden, einem Kamel und einem Hund durch die Mongolei gereist sind (www.always-wandering.com).

Am nächsten Morgen reisen wir weiter und wollen über die nördliche Route zu einem großen See trampen. Der Anfang läuft gut – nach dem wir den Daumen ausgestreckt haben, hält kurz später das erste Auto und die kleine Familie nimmt uns kurzum mit zu ihrer Jurte in der Nähe eines Flusses umgeben von herbstlichen Birken. Wir trinken Milchtee, Stutenmilch und bekommen das traditionelle Nudelgericht “Kurdak” serviert. Als die Frau am abend die Stuten melkt dürfen wir zuschauen und obwohl wir nicht viel miteinander reden können ist es sehr gemütlich.

Als wir am nächsten Morgen an der Straße warten, werden wir von einem Sandsturm überrascht. Wir sind dankbar, als ein Auto kommt und zwei Männer uns mitnehmen, die auf dem Weg zum Fischen sind. Nach dieser Fahrt warten wir allerdings geschlagene zwei Stunden auf das nächste Auto und geben schon fast die Hoffnung auf, als endlich sich ein Laster nähert und wir auf der Ladefläche mitfahren dürfen. Der LKW biegt plötzlich von der Straße ab und bringt uns zu einer Jurte mitten im Nirgenwo. Das Innere der Jurte ist bunt verziert, an den Wändern hängen Teppiche und an der Decke sind farbenfrohe Bänder entlang gespannt. Wir trinken zusammen mit der Familie Tee und es stellt sich heraus, dass die Tochter Pfadfinderin ist und an dem großen „Asia Pacific Jamboree“ in Ulaanbaatar teilgenommen hat. Sie zeigt uns viele Fotos und nach diesem interessanten Nachmittag entscheiden wir uns, dass es zu spät ist zurück zur Straße zu wandern und bauen das Zelt auf.

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass wir ganze zehn Kilometer weit von der Straße entfernt sind und wandern eine Weile bis wir dort ankommen. „Straße“ ist hier allerdings ein gedehnter Begriff, meist ist die Straße nicht asphaltiert und besteht aus mindestens fünf einzelnen Feldwegen, die mehrere Hundert Meter weit auseinander liegen können. Um unsere Trefferquote zu erhöhen nimmt Kringel den rechten und ich den linken. Wir trotten die Straße entlang und weit und breit ist kein Auto zu entdecken.

Am späten Nachmittag kommt endlich ein Auto und wir dürfen bis in die nächst größere Stadt Ulaangom mitfahren. Es ist schon dunkel als wir ankommen und ziemlich kalt draußen. Wir wollen im Supermarkt ein paar Einkäufe besorgen und während ich durch die Regale husche, unterhält sich Kringel mit dem Ladenbesitzer. Als der von unserer Reise hört, ist er total begeistert und beeindruckt und schlägt die Hände überm Kopf zusammen, dass wir in der Kälte zelten wollen. Er kommt auf mich zu und fordert mich auf, mehr Lebensmittel einzupacken und signalisiert uns, dass er uns den Einkauf schenken möchte! Wir können unser Glück kaum fassen und der Mann überreicht uns noch eine große Tüte mit Obst. Wir bedanken uns, verlassen den Laden und sind beschwingt von so viel Glück und Großzügigkeit.

Am nächsten Morgen bauen wir im Wind und Hagel das Zelt ab und entdecken nicht weit von uns ein kleines Festival mit vielen Jurten und Festzelten. Wir laufen neugierig darauf zu und machen Halt vor einem Schaf, das mit zusammen gebundenen Füßen inmitten des Geländes liegt. Zwei Männer eilen herbei, lösen die Fesseln und uns wird plötzlich bewusst, dass die Sekunden des Tieres gezählt sind. Ohne zu zögern schneidet der eine Mann ein kleines Loch in den Bauch des Tieres. Er greift mit dem ganzen Arm in das lebendige Tier hinein, sucht nach etwas, greift es, zieht es heraus und das Tier sinkt tot zusammen. Das alles passiert innerhalb weniger Sekunden und wir müssen uns anstrengen, unser Frühstück bei uns zu behalten. Wir dürfen zusehen wie das Tier mit geübten Handgriffen von Fell und Gedärmen befreit, zerteilt und verzehrfertig gemacht wird. Was ein Start in den Tag!

Wir wandern zur Straße und wollen trampen, aber die Leute verlangen unglaublich hohe Preise für die recht kurze Strecke ins nächste Dorf. Als es schließlich noch anfängt zu schneien, geben wir auf und besorgen uns ein Busticket nach Ulaanbaatar. Der Bus braucht über vierundzwanzig Stunden und wir machen nur ab und zu Halt, um in einer Jurte etwas zu essen. In Ulaanbaatar verbringen wir ein paar Tage um unsere Klamotten mal wieder richtig zu waschen und den legendären “Schwarzmarkt” zu besuchen, dann machen wir uns auf den Weg zu einer mehrtägigen Wanderung in den angrenzenden Nationalpark Gorkhi-Terelj. Wir wandern durch die Berge, über glitzernde Teppiche aus Lärchennadeln und Schnee, lassen uns den Atem nehmen von der Kälte und dem Ausblick über das Tal und weiter in die Ferne. Der auf das Zelt herab rieselnde Schnee wiegt uns in den Schlaf und einmal sehen wir sogar einen Wolf im Wald verschwinden…

 

endlich auf dem mond – ach nee, im pamir gebirge

Gierig vor Hunger schaufeln wir das typisch kirgisische Gericht Laghman in uns hinein – wir sind nur ein wenig erstaunt, dass das Restaurant leer ist und ahnen in unserem Hungerrausch noch nicht, was diese Mahlzeit uns später noch beschert. Anschließend haben wir Glück und finden ein Auto, dass uns aus dem kleinen Dorf Kazarman bis nach Jalalabad mitnimmt.

Während der wackeligen Auf- und Abfahrt durch die Berge fängt Kringel an, ungewöhnlich ruhig und ganz grün um die Nase zu werden. Plötzlich ruft er “Please, stop the car!”, springt raus und eine halbe Sekunde später hört man ein Geräusch, als würde jemand einen vollen Wassereimer auskippen (aber es ist kein Wasser!!). In Jalalabad bauen wir mit letzten Kräften das Zelt auf und hängen die ganze Nacht lang abwechselnd unsere Köpfe aus dem Zelt, um das zuerst so lecker schmeckende Nudelgericht wieder los zu werden. Am nächsten Morgen kämpfen wir uns mit letzter Kraft weiter bis nach Osh, wo wir uns drei Tage zum Regenieren gönnen, schließlich werden uns die kommenden Tage viel Kraft und Nerven kosten…

Und dann geht’s weiter, ein riesiges Ziel vor Augen: das Pamir Gebirge. Von Osh aus fahren wir mit einem LKW, dessen Frontscheibe aus Scherben besteht und der sich so langsam die bergige Landschaft hoch quält, dass wir nebenher laufen könnten. Der zweite Lkw nimmt uns mit nach Sary Tash, von wo aus es kompliziert wird: kaum ein Auto kommt vorbei, wir warten lange und laufen viel. Letztendlich kommt doch ein Auto, wir quetschen uns zwischen Melonen, Gemüse und Haushaltsgeräte in das überfüllte Auto und werden von Farid und seiner Mutter über die Grenze von Tadschikistan mitgenommen.

Die Landschaft wird langsam immer karger und zwischen den kleinen Pflanzen flitzen die rotbraunen Murmeltiere mit ihrem puscheligen Schwanz hin und her, ab und zu sehen wir eine Horde Jaks mit ihren beeindruckenden Hörnern durch die Gegend trotten. Je höher wir kommen, desto seltener werden Pflanzen und Gräser und schließlich wirkt die Umgebung um uns herum wie auf dem Mond: Felsen, Staub, Berge, absolute Stille. Aber zugleich übt diese Atmosphäre auch eine unglaubliche Anziehungskraft aus, die runden Schatten der kleinen weißen Wolken klettern über die beige-braunen Berge und ziehen ihre Schatten langsam hinter sich her.

Wir verlassen das Auto mitten im Nirgendwo und während es dämmert bauen wir das Zelt auf. Es ist kalt und wir wachen gerädert mit Kopfschmerzen und Übelkeit auf – kein Wunder, wir befinden uns auf knapp 4300 Metern! Wir schleppen uns an den Straßenrand und lümmeln herum während wir auf ein Auto warten. Ein kleiner Vogel macht eine Verschnaufpause auf Kringels Knie, aber angesichts unserer kläglichen Lage wirkt er mehr wie der Geier, der auf ein Festmahl hofft…

Ein Auto hält und wir fahren über den höchsten Pass auf 4650 Metern und kommen schließlich in die Stadt Murgab, wo wir von Männern bei der Heuernte herbei gewunken werden. Wir bekommen Plov, das traditionelle Reisgericht mit Aprikosen, angeboten und ein buntes kirgisisches Sitzkissen wird auf der Wiese für uns ausgebreitet. Wir unterhalten uns nett und entscheiden uns an dem Ort über Nacht zu übernachten, nachdem die Männer heim gefahren sind.

Einen Tag später erreichen wir die Kreuzung, wo die südliche Route des Pamir Highways uns entlang des Wachankorridors zu der Grenze Afghanistans führt. Nicht viele Autos kommen vorbei, aber während wir gerade einen Alternativplan schmieden, hält ein Auto und Anna und Mauro nehmen uns mit. Sie kommen aus Italien und Deutschland und machen Urlaub in Zentralasien. Wir fahren durch auf halber Höhe am Berg entlang, links von uns geht es steil bergab, die Straße ist holprig und das Auto wackelt, aber der Ausblick ist unbezahlbar!

Und siehe da, ganz plötzlich taucht in der Ferne ein grüner Fleck auf! Je näher wir kommen, desto klarer wird unsere Sicht: Das Tal entlang des Wachankorridors wirkt wie eine grüne Oase zwischen den hohen Bergen, entlang der Grenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan. Die kleinen Dörfer sprühen vor Leben, die Straßenränder sind gespickt mit Sanddornbüschen, Weiden, Pappeln, Sonnenblumen und Anemonen. Wir blicken auf große Felder und Arbeiter bei der Ernte, Frauen waschen auf der Straße die großen, bunten Teppiche, so dass wir Slalom fahren müssen.

Aber die Menschen sind sehr freundlich, wir werden überall herzlich begrüßt und bekommen frisch gepflückte Äpfel aus den bunten Gärten geschenkt. In den heißen Quellen von Bibi Fatima entspannen wir uns, nur leider müssen wir auf den gespannt erwarteten Cross-boarder-Markt zwischen Tadschikistan und Afghanistan in Ishkashim verzichten, der nicht statt findet. Wir fahren immer weiter durch das grüne Tal, ab und zu erhaschen wir einen Blick auf den beeindruckenden Hindukusch mit seinen 7000 Meter hohen, schneebedeckten Bergen und nach drei Tagen in der Oase erreichen wir Khorog, wo wir zwei Tage verbringen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Wir gönnen uns mit zwei Franzosen ein Taxi bis Murgab, dann stoßen wir morgens auf zwei waschechte Tramper aus Russland, Luba und Kosta, die sogar einen Tramper-Anzug und einen speziellen Tramper-Rucksack haben! Wir schaffen es zu viert zu trampen und sind froh, dass die beiden mit den Fahrern reden können – wir kommen mit unseren wenigen Worten russisch oft nicht ganz so weit…

Dieser Tag soll der aufregendste werden, was das Trampen im Pamir angeht: Wir werden auf der Ladefläche eines Kohletransporters mitgenommen und als nächstes von einem Kleinbus, der vollgestopft ist bis oben hin, aber wir quetschen uns trotzdem noch rein und sind dann insgesamt 12 Leute, eine Menge Gepäck und ein Schaf. Am nächsten Morgen haben wir Glück: Sven und Jan sammeln uns mit ihrem angeschlagenen Volvo ein und nehmen uns die ganze lange Strecke bis nach Osh mit zurück…

umgeben von bergen, pferden und jurten

Nachdem wir uns bei Miras in Almaty eine längere Verschnaufpause gegönnt haben, brechen wir zu neuen Abenteuern auf. Unser nächstes Ziel ist der Charyn Canyon, auch genannt der “kleine Bruder des Grand Canyon”. Bevor wir los Trampen läd uns Miras noch zu einer besonderen Spezialität in Kasachstan ein: wir trinken Kumiß (vergorene Stutenmilch), Kamelmilch und essen die kasachische Spezialität Beschbarmak (Pferdefleisch mit Nudeln).
Miras und Emily, seine Freundin aus Deutschland, bringen uns zu einem guten Punkt und wir Trampen los. Als es bereits dunkel wird erreichen wir die Abzweigung zum Canyon, von dort aus sind es aber immer noch 23 km zu laufen.
Wir gehen bis wir müde werden durch die Dunkelheit und entschließen uns, das Zelt aufzuschlagen. Gerade als wir einen guten Platz gefunden haben, blitzen in der Ferne Scheinwerfer auf, ein Auto! Wir eilen zurück zum Weg und werden tatsächlich von einem Laster eingesammelt auf dessen Ladefläche wir bis zum Canyon mitfahren können, was ein Abenteuer! Der LKW kämpft sich steile Wege hinauf, rutscht auf der anderen Seite auf dem sandigen Boden wieder hinunter und schiebt sich zwischen engen Felsen hindurch in feinster Millimeterarbeit. Die atemberaubenden Felsformationen türmen sich höher und höher neben uns auf und wir genießen diesen besonderen Anblick von unserem wackligen Gefährt aus.

Es ist ein atemberaubender Anblick morgens im Canyon aufzuwachen, umgeben von vielen wirren rostroten Felstürmen und dem brausenden Charyn Fluss. Nach einer Wanderung durch die Schlucht trampen wir zu dritt, mit Marco aus Italien zur kirgisischen Grenze, was sich aber schwieriger als gedacht heraus stellt. Eine halbe Stunde vor Grenzschluss schaffen wir es auf die andere Seite und der Taxifahrer auf der kirgisischen Seite ist sich seines Wertes bewusst und verlangt dreist 100 $ für die knapp 120 Kilometer-lange Fahrt. Im ersten Moment halten wir es für einen Scherz, dann wird uns unsere Situation und das sich nährende starke Gewitter bewusst. Wir können zum Glück am Preis noch etwas verhandeln und machen uns auf den Weg nach Karakol.

Am nächsten Tag kommen wir erst spät aus Karakol los da es stark regnet. Das Trampen gestaltet sich schwieriger als bisher, da es hier nicht allzu geläufig ist und leider können wir uns mit unseren paar Worten russisch auch nicht besonders viel unterhalten. Wir fahren am Issyk Köl See entlang und werden von einem Mann mitgenommen, der doch ein bisschen Englisch spricht. Er lässt uns in einem kleinen Dorf raus und wir kaufen unseren Vorrat für die nächsten Tage ein. Als wir aus dem Dorf heraus laufen, grüssen uns die Kinder und wir haben Glück als ein mit polnischen Pfadfinden gefüllter VW Bus uns aufpickt und sogar bis zu unserem Ziel, dem Song Köl See mitnimmt.

Während wir Morgens unser Frühstück in Nähe des Sees zubereiten, bekommen wir Besuch von Talai auf seinem Pferd, der den Sommer über mit seiner Familie in einer Jurte am Issyk Köl See lebt. Er lädt uns ein, ihn und seine Familie zu besuchen und wir packen unsere Rucksäcke und wandern zu der Jurte, wo er mit seiner Frau und den 4 Kindern die drei-monatigen Sommerferien verbringt. Die Jurte hat einen niedrigen Eingang und ist mit Teppichen ausgelegt. Ein rotes Holzgerüst trägt die Aussenhaut aus Filz. und die Hutze über dem Loch in der Mitte des Daches kann man je nach gewünschtem Lichteinfall auf- oder zuziehen. Wir setzen uns auf bunte Decken mit traditionellen krigisischen Ornamenten, ein niedriger Tisch wird herein getragen und die Mutter überreicht uns mit einem goldenen Lächeln eine Schale mit schwarzem Tee. Wir bekommen frische Kumiß und Brot mit Blaubeermarmelade und Kaymak (Sahne) serviert. Wir unterhalten uns mit Händen, Pantomime und unseren paar Worten russisch und nachdem wir uns gestärkt haben, dürfen wir noch eine Runde mit Talais Pferd drehen.
Wir sind beschwingt von diesem besonderen Start in den Tag und treten unsere Wanderung um den auf knapp 3000 Meter liegenden Gebirgssee herum an. 25 Kilometer auf dem Schotterweg, kaum ein Auto fährt vorbei. Als Snack für zwischendurch haben wir eine typisch kirgisische Spezialität dabei: karamelisierte Erdnüsse mit Sesam ummantelt.


Nachmittags werden wir erneut in eine Jurte eingeladen und die drei Jungs der Familie versuchen uns stolz zu erklären, wie sie leben: geheizt wird die Jurte mit Brickets aus Schafdung, die Tiere verbringen den Sommer in der Natur am See und werden zum Winter hin verkauft. Manche Jurten verdienen zusätzlich Geld mit Pferdetouren oder dem Verkauf von Kumiß oder Qurt, manche bieten Jurten zur Übernachtung an.
Nach einer weiteren Wanderung zu einem schönen Zeltplatz mit Blick aufs Wasser bekommen wir erneut Besuch: ein junger Mann mit seinem Pferd trabt herbei, fragt uns woher wir kommen und bietet uns an auf seinem Pferd zu reiten. Wir freuen uns über das nette Angebot, reiten ein bisschen und so schnell der Mann aufgetaucht ist, so schnell reitet er auch wieder davon. Wir schlagen erschöpft von den ganzen neuen Eindrücken und Geschmäckern des Tages das Zelt auf und die Sonne geht langsam unter…

in den weiten der steppe

Man kommt in so viele Länder und es ist ganz anders als man es sich vorgestellt hat…
Und dann kommt Kasachstan: es ist brütend heiß, die Landschaft ist karg, lange Strecken entdeckt man nichts als ein paar vertrocknete Pflanzen und Kamele…

Vier geschlagene Tage hat es gedauert, bis unser Warten am Hafen belohnt wird und das Frachterschiff von Aserbaidschan nach Kasachstan ablegt. Die heißen Tage am öden Hafen verbringen wir mit russisch lernen und  Gesprächen mit anderen Reisenden. Als es endlich so weit ist und wir mit gepackten Rucksäcken dem Grenzbeamten unsere Pässe überreichen, fragt dieser ganz dreist wo sein Geschenk ist und verlangt zehn Dollar dafür, dass er den ersehnten Stempel aufs Papier drückt. Kringel lässt sich davon nicht beirren, erklärt dass wir kein Geld haben und schließlich bleibt dem selbstgefälligem Uniformträger nichts anderes übrig, als uns gehen zu lassen. Wir betreten das klapprige, rostige Schiff und bei dem Anblick des betrunkenen Kapitäns bin ich mir nicht sicher, ob wir je das andere Ufer erreichen. Der Boden des Bootes ist mit dreckigen Teppichen und Plastikplanen ausgelegt, unsere 4er Kabine gleicht einem Schuh-karton aber zum Glück mit einem Fenster – diesen Luxus besitzt allerdings nicht jede Kabine.
Während wir als “Fußgänger” schon an Bord dürfen, warten Sarah und David noch weitere 7 Stunden, bis sie endlich mit ihrem dunkelgrünen VW Bus auf die untere Ebene fahren dürfen – ein Laster voller Pferde hatte Verspätung und die aufgeregten Tiere treten nervös gegen die Wände des überfüllten LKWs.

Morgens beim Frühstück setzt sich das Schiff langsam in Bewegung und die nächsten knapp 24 Stunden sind wir vom kaspischen Meer umgeben. Tagsüber versucht jeder auf Deck ein schattiges Plätzchen zu finden um sich zu erholen und wir sind froh dass unsere Reise gen Osten endlich weiter geht. Der Tag schleicht langsam dahin, gegen Abend wird die Temperatur angenehm und wir holen schließlich unsere Matten raus um auf Deck zu schlafen, begleitet von Meeresrauschen und dem Anblick der pfeilschnellen Sternschnuppen am Himmel.

Am nächsten Morgen kitzeln mich die allerersten Sonnenstrahlen an der Nase und ich erlebe in völliger Ruhe den Sonnenaufgang, während mir die kühle Meeresbrise um die Nase weht. Anschließend laden mich der Kapitän und sein Team zum Kaffee ein und wir geniessen den Anblick der aufgehenden Sonne während Kringel noch tief und fest schläft. Nach dem Frühstück ist es dann auch schon bald soweit: das Land ist in Sicht und nach einer intensiven Kontrolle unseres Gepäcks erreichen wir den Hafen. Wir verlassen das Boot und sind froh, festen Boden unter den Füßen zu spüren. Nach einem Abstecher zum Supermarkt fahren wir zum Strand, baden in dem warmen Wasser des kaspischen Meeres und genießen den Rest des Tages.
Es scheint uns, alshätte sich halb Kasachstan am Strand versammelt und wir staunen über die neuen Gesichter und die unbekannte Sprache die uns umgibt.

Am nächsten Morgen werden wir von der Hitze geweckt und nehmen ein ausgiebiges Bad im Meer. Sarah und David bereiten in ihrem Raumwunder “Bennybus” Apfelpfannkuchen und Milchkaffee zu, zusammen mit Alex und Alice aus Cornwall genießen wir das köstliche Frühstück mit Blick aufs Meer. Zwei Kasachen schlendern an uns vorbei und wir unterhalten uns nett in gebrochenem Englisch, sie versprechen wieder zu kommen und bringen eine Viertel Stunde später typisch kasachische Spezialitäten vorbei: Qurt, kleine harte Käsebonbons aus Kamelmilch mit strengem Aroma (die Konsistenz ist wie bei den Muh Muhs nur der Geschmack nicht), Walnuss-Schichtkuchen mit Dickmilchfüllung und frische Tomaten aus ihrem Garten.

Wir freuen uns darüber, die nächsten Tage nicht in der Hitze am Straßenrand mit ausgestrecktem Daumen stehen müssen und nehmen das Angebot von Sarah und David, im Bus mitzufahren, dankend an. Nachdem wir noch einmal voll getankt haben, verlassen wir Aktau und steuern unser gemeinsames Ziel an: der Start der bemannten Rakete an der Raumstation in Baikonur.

Die folgenden Tage auf der “Straße” umgeben uns nur die Hitze, kleine Büsche und trockene Gräser, ab und zu ein paar Kamele und Pferde, ein Fuchs rennt vor dem Bus her als wollte er uns den Weg zeigen. Große Falken beäugen mürrisch wie sich der Bus mühsam durch die huppeligen Steppenwege kämpft, bevor sie ihre Flügel aufspannen und davon gleiten… Die Wahrnehmung unserer Umgebung verändert sich und Einsamkeit in der Steppe bekommt etwas magisches: wir genießen leuchtende Sonnenuntergänge in allen Rot- und Orangetönen; die Weite der Landschaft, vollkommene Stille und hell glitzernden Sterne am klaren Nachthimmel lösen eine wohlige Ruhe in uns aus.

Zusammen mit Valentin aus der Bretagne, den wir mit seinem Fahrrad in flimmernder Hitze auf der Straße aufgabeln, kommen wir gerade noch rechtzeitig zur Raumstation in der Wüste. Fünf, Vier, Drei, Zwei, Eins…
Wir halten den Atem an, als sich die Raketeaus einer riesigen Rauchwolke langsam Richtung Himmel bewegt, einen langen Kondensstreifen hinter sich her zieht, langsam immer kleiner wird und schließlich
im tiefen Blau des Alls verschwindet…

 

es kommt immer anders als man denkt

Einen Monat sind wir durch Georgien gereist und während dieser Zeit sind uns Land und Leute so sehr ans Herz gewachsen, dass uns der Moment in dem wir unsere Rucksäcke packen nicht leicht fällt.
Allerdings haben uns die aserbaidschanischen Pfadfinder eingeladen an ihrem nationalen Sommerlager teilzunehmen, was wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollen!
Unsere letzten Tage in Georgien verbringen wir in Tbilisi, wo wir uns hauptsächlich mit Visa-Bestimmungen auseinander setzen, aber auch die Atmosphäre der Stadt aufsaugen und den ein oder anderen besonderen Ort fernab des Trubels entdecken. Es tut uns gut, ein paar Tage am selben Ort zu verbringen und wir planen die nächsten Schritte unserer weiteren Reise.
Als das Sommerlager “Wonderland” aber vor der Tür steht, packen wir wieder unsere 7 Sachen und wollen mit dem Bus an die Stadtgrenze Tbilisis fahren um von dort aus Richtung Osten zu trampen.

Um uns die Wartezeit auf den Bus zu verkürzen und die 35°C ein wenig erträglicher zu machen, gönnen wir uns ein letztes Mal unser georgisches Lieblings-Eis, was aber natürlich dazu führt, dass uns der Bus genau vor der Nase wegfährt..
So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Gewaltmarsch zu Fuß anzutreten. Aber wie bisher alles auf dieser Reise, hat auch diese Situation etwas Gutes: nach der Wanderung durch die Stadt liest uns Themmo auf, der uns ein großes Stück bis nach Telavi mitnimmt und uns zu sich nach Hause einläd. Er hat zwanzig Jahre in Deutschland gelebt, ist aber nun nach Georgien zurück gekehrt, weil ihm die deutsche Mentalität zu stressig und eintönig geworden ist…
Wir lernen seine Hunde Lisa und Fiffi sowie seine zwei winzigen, herumtollenden Katzenbabys kennen und geniessen einen köstlichen türkischen Kaffee in seinem idyllischen Garten. Abends machen wir einen Spaziergang am Fluß entlang, philosophieren über das Leben und lernen noch ein paar Details der georgischen Traditionen und Werte kennen: Bevor man dort ein Haus baut, wird zuerst eine Amphore in den Boden gelassen, die später zur Weinherstellung benutzt wird. Jeder George stellt seinen eigenen Wein her und die Menschen sind sehr stolz darauf. Themmo zeigt uns seinen Gemüsegarten, erzählt uns von seinen Zukunftsplänen und Kringels Augen fangen an zu leuchten, als er uns in seine riesige Holzwerstatt führt, wo er eine Menge sehr schön gemasertes Nussbaumholz lagert und verarbeitet. Wir fühlen uns schnell als würden wir uns schon lange kennen und der entspannte Abend endet bei einem gegrillten “Schaschlicki” (in Georgien enden fast alle Wörter auf “i”, auch Toletti und Telefoni) und einem Schluck selbst gemachten Wein draußen auf der Terasse. (Im Georgischen gibt es den Buchstaben “F” nicht, weswegen für die Georgen Frankfurt “Prankpurti” heißt)

Voller Vorfreude treten wir am nächsten Morgen die Weiterfahrt nach Aserbaidschan an und ahnen noch nicht, was dieser Tag an Überraschungen für uns bereithält. Wir werden von einem Mann aus Österreich aufgegabelt, der ebenfalls seine Heimat gegen die atemberaubende Landschaft in der Weinregion Kachetien eingetauscht hat und als nächstes machen wir mit einer Familie einen Ausflug zu der Kathedrale Gremi. Als wir in der Mittagshitze durch ein Dorf laufen, läd ein Mann uns zu einem kalten Wasser und einer Verschnaufpause zu sich nach Hause ein und spielt für uns ein paar traditionelle Lieder auf der Saz. Bevor wir eine weitere Landesgrenze hinter uns lassen, tauschen wir unsere letzten georgischen Lari in Manat, ein Mann schenkt uns eine Flasche seines selbst gemachten Weins und wir geniessen ein Stück Honigmelone, die es an jeder Ecke zu kaufen gibt.

Wir werden von vielen freundlichen Leuten mitgenommen, trotz der eingeschränkten Kommunikation haben wir eine Menge Spaß, hören sogar deutsche Musik und nähern uns langsam dem Camp. Als wir mit einem Taxi trampen, läd uns der Gast des Taxis sogar in sein Restaurant ein und wir bekommen ein “Bavaria Baku”-Bier serviert und dazu ein Tomaten-Omelette mit Salat (Mama, das war fast genau so wie “Hoppel Poppel”!!) gefolgt von Tee mir Erdbeerkompott und vielen lieben Wünschen für unsere Weiterreise. Wir können unser Glück kaum glauben, verlassen beschwingt das Freiluft-Restaurant im Grünen und es fängt langsam an zu dämmern.
Nach insgesamt 14 Autos, bei denen wir an diesem Tag mitfahren dürfen, erreichen wir erschöpft aber ziemlich glücklich das Lager mit seinen insgesamt rund 400 Teilnehmern aus verschiedenen Regionen Aserbaidschans, der Türkei, der Ukraine, Georgien und Ägypten. Die Atmosphäre im Lager ist wunderbar familiär, das Lager ist auf einer riesigen Fläche mittem im Wald aufgebaut und in viele kleine Subcamps aufgeteilt. Es gibt sogar einen selbst gebauten “Pool”, in dem man sich an heißen Tagen abkühlen kann.

Um 7 Uhr morgens schallt es durch das Camp “Staff come!”, es gibt kein Entrinnen oder sich-tot-stellen. Der Weckdienst wartet beharrlich vor jedem Zelt bis man sich meldet und aufsteht. Das Frühstück wird an langen selbst gezimmerten Tischreihen zusammen eingenommen und die Tage des Lagers sind von morgens bis abends mit Programm gefüllt: Wir machen einen Ausflug in die historische Stadt Sheki, wo wir den beeindruckenden Khanspalast besichtigen, bieten tagesfüllende Workshops an, machen Wanderungen, besuchen Museen und gehen am Ende sogar zu einem Schießstand, wo jeder fünf Mal mit einem Gewehr auf ein bewegtes Ziel ballern darf (allerdings nur im Staffteam). Am letzten Abend helfe ich bei dem Pfadfinderversprechen und sauge viele inspirierende Details des feierlichen Prozederes in mich auf.

Als das Lager beendet ist, fahren wir mit den Pfadfindern nach Baku und die riesige Hauptstadt, dessen Grundfläche größer ist als die von London, überfordert uns mit Eindrücken. Neben prunkvoll verzierten historischen Gebäude ragen hypermoderne, geschwungene Hochhäuser in den Himmel und nachts verschwimmt das Flimmern der bunten Stadtlichter mit dem dunstigen Horizont. Die Bande der Formel Eins verteilen sich über die gesamte Stadt und der Reichtum durch das Ölvorkommen ist allgegenwärtig. Wir verbringen unsere Zeit im Scout Office und wandern ziellos in der überfüllten Betonwüste umher und staunen über die Details aus anderen Metropolen, die sich in Baku versammeln: Taxis wie in Großbritannien und ein Park, der sich “Klein Venedig” nennt, wo man Bootstouren in einem künstlich angelegten Kanalsystem machen kann. Die Hitze macht uns zu schaffen und wir sind froh, als wir uns ein paar Tagen später auf den Weg zum Hafen machen, um mit dem Schiff über das kaspische Meer nach Kasachstan zu schippern.

Wir verlassen Baku und werden von zwei Männern an einer Tankstelle raus gelassen um den Rest des Weges zum Schiff zu laufen. Als wir um die Ecke biegen, entdecken wir zwei prall behängte Fahrräder und lernen kurz darauf Armin und Christopher kennen, die mit ihren zwei Drahteseln vor vier Monaten in Leipzig gestartet sind. Sie machen entlang des Weges Projekte in internationalen Schulen um den Kindern Umweltschutz auf spielerische Weise nahe zu bringen. Wir sind beeindruckt von so viel Engagement und passend zu diesem Projekt “timturtle2017” (–>Facebook) sind ihre Fahrradtaschen in knalligem grün. Das sollen aber nicht die letzten Begegnungen mit Reisenden an diesem Tag sein, als wir am Hafen ankommen treffen wir noch Yas & Luca, die mit einem umgebauten Truck samt Hund reisen, Marc und seinen Freund aus der Schweiz, die ebenfalls per Fahrrad unterwegs sind, einen weiteren Tramper aus Frankreich und eine Gruppe Engländer, die mit ihrem Volvo unterwegs sind. Die Fähre ist leider schon voll und wir müssen auf die nächste warten, aber zumindest wird uns die Wartezeit mit interessanten Gesprächen versüßt. Am nächsten Morgen treffen wir noch auf Hugo und seine 80jährige Großmutter, die schon seit seinen Kindesbeinen an gemeinsam reisen (nur seit 10 Jahren nicht mehr im Zelt) und David & Sarah aus Deutschland, die ihren VW-Bus zu einem gemütlichen mobilen Zuhause umgebaut haben und das Urlaubssemester vor der Masterarbeit zum Reisen nutzen…

 

glückliche fügung

Es fühlt sich sogar auf dieser langen Reise ein klitzekleines bisschen wie nach Hause kommen an. Wir öffnen das Gartentor, laufen die altbekannten Stufen hoch durch den blühenden Garten und schon liegen sich Kringel uns Hüseyin in den Armen. Bei dem Blick in Hüseyins freudestrahlenden Augen fängt mein Bauch an zu kribbeln – es ist ein ganz besonderes Wiedersehen für uns. Als wären wir nie weg gewesen fühlt es sich an, wir gehen zusammen segeln und verbringen ein paar Tage auf Cunda bevor wir uns zusammen auf den Weg zur Schwarzmeerküste machen, wo sich das Restaurant und Hotel „Kerpe Diem“ der Familie befindet. Umgeben von Maulbeerbäumen und Artischockenpflanzen liegt das Hotel mitten im Wald und die Hühner laufen frei herum. Hüseyin zeigt uns, wie man mit Netzen fischt und die Fische ausnimmt, wir musizieren zusammen und geniessen die entspannte Atmosphäre, natürlich immer mit einem typisch türkischen Tee zwischendurch, danach oder mittendrin.

An den atembraubenden Klippen in Kerpe erhaschen wir einen ersten Eindruck von unserer Weiterreise und entlang des Schwarzen Meeres trampen wir Richtung Osten. Unsere Augen können sich an dem Anblick der Klippen und des blaugrünen Meeres nicht satt sehen, wir schlafen in einer einsamen Bucht am Strand und die Küstenstraße führt uns in einem wohligen auf und ab der georgischen Grenze entgegen. Das Glück des Zufalls kreuzt mehrfach unseren Weg und wir erleben einen unvergesslichen Abend in Amasra mit Necdet und Aydin aus Duisburg; mit Ferhat, der uns in seinem LKW auf den holprigen Straßen mitnimmt und mit Mustafa, der mit uns sieben Stunden durch die Nacht bis zur georgischen Grenze fährt.

In den frühen Morgenstunden erreichen wir die Grenze, die Sonne schiebt sich langsam hinter den Klippen hervor und wir verlassen den LKW gleichzeitig aufgeregt und nervös. Uns erwartet eine neue Landesgrenze, wir überschreiten die zweite Zeitzone unserer Reise und außerdem sind wir die nächsten Wochen nicht nur von einer neuen Sprache umgeben sondern auch von einer neuen Schrift. Zunächst gestaltet sich das Trampen nicht besonders einfach und die Küstenstadt Batumi macht einen zwiegespaltenen Eindruck auf uns, dann haben wir aber Glück und erfahren auf dem Weg ins Landesinnere nicht nur einiges über die Musik und Essenskultur der Georgen, wir lernen auch die ersten Worte Georgisch („gaumarjos“ – Hallo und „madloba“ – Danke) und besuchen die römische Ruine „Petra“ mit Blick aufs Meer.
Kutaissi, die drittgrößte Stadt Georgiens zeigt sich uns im schönsten Wetter und wir tauchen in die Esskultur ein, indem wir von einem Einheimischen zu dem Nationalgericht Chinkali eingeladen werden. Neben einem neuen Geschmack probieren wir uns ebenfalls die richtige Verzehrweise dieser köstlich gefüllten Teigtaschen und nachdem wir viele neue Details über die jahrtausende alte Kultur der Georgen erfahren haben, verbringen wir den Rest des Tages am rauschenden Rioniufer. Auf dem Weg nach Tiflis sind wir überrascht von der schönen Landschaft, den großen saftig grünen Wäldern, den vielen Wasserfällen und Flüßen und fahren in eine Großstadt, die von vielen Einflüssen geprägt ist. Wir besuchen den bunten botanischen Garten, den Wasserfall inmitten der Stadt und staunen über die Ruinen der großen Festung Nariqala aus dem dritten Jahrhundert. In unserem Hostel fühlen wir uns sehr willkommen und mehr wie in einer Wohngemeinschaft mit Leuten aus Belgien, Ägypten, Georgien und dem Iran. Unsere Neugierde wächst die vielfältige Natur zu erforschen in den Bergen wandern zu gehen.

Ein paar Tage später freuen wir uns sehr auf Besuch aus der Heimat: Marina & Ferry haben Georgien als Urlaubsort gewählt und so kreuzen sich unsere Wege und wir brechen zu viert nach einem musikalischen Abend begleitet von dem selbstgemachten Wein und Chacha des Hostelbesitzers zu einem sensationellen Roadtrip quer durchs Land auf. Wir wandern durch eine 75 Meter tiefe Höhle und besuchen eine vielfach so tiefe Schlucht, auf deren ins freie ragenden Plattform wir mit weichen Knien stehen. Wir futtern uns durch georgische Spezialitäten und als es abends um die Schlafplatzsuche geht, läd uns die Köchin aus einem kleinen Familienrestaurant im Grünen kurzum zu sich nach Hause ein. Wir lernen die gesamte Familie kennen und bei herzlicher Gastfreundschaft verbringen wir einen unvergesslichen Abend, bevor wir uns auf den Weg in die Berge machen.

Nach einer mehrstündigen holprigen Fahrt über die unbefestigten Straßen kommen wir im Bergdorf Mestia an und lernen hautnah georgische Volksmusik in einem kleinen Cafe kennen, performt von drei Männern die die typisch georgische Laute “Panduri” spielen und dazu mehrstimmig singen. Am nächsten morgen fahren wir weiter nach Uschguli, dem höchst gelegenen dauerhaft besiedelten Dorf Europas, wo es im Winter monatelang bis zu -30 Grad Celsius sein kann, bei Tiefschnee und unbefahrbaren Straßen. Kühe und Wildpferde auf der Fahrbahn sind in Georgien keine Seltenheit und wir machen eine Wanderung in die Nähe des Gletschers, vorbei an vielen für die Region charakteristischen Wehrtürmen aus dem 12. Jahrhundert. Wir sind umgeben von einer bunt blühenden Landschaft: Kuckuckusblumen, Rhododendron, Lilien und andere Blüten sorgen für einen süßlich frischen Duft, umrahmt von den weiß leuchtenden, schneebedeckten Bergen des großen Kaukasus, der seine bis zu 5000 Meter hohen Gipfel in den Himmel reckt. Wir können uns an diesem Anblick kaum satt sehen, machen uns aber ein paar Tage später trotzdem wieder auf den Weg zurück ins Landesinnere, Georgien hat schließlich noch so viel mehr zu bieten… 

 

donau ade

Da hinten am Horizont können wir es sehen. Eine kleine Lücke zwischen den Bäumen die mit jedem Meter größer wird. Die Aufregung wächst – nicht nur wegen den höher werdenden Wellen, sondern auch weil wir wissen das wir es gleich geschafft haben. Der Wind pustet uns salzige Luft entgegen und die Donau wird breiter und breiter, bis wir mit einem mal nichts mehr vor uns haben als Wasser. Wir parken am Strand und fallen uns in die Arme. Endlich sind wir da! All die Anstrengungen fallen von uns ab und wir sind überglücklich diese Reise mit Fortwienix gemeistert zu haben.

Sollte es doch nur „die erste Etappe“ werden, war es schon eine Reise für sich. Wir sind froh, dass es zuende ist, denn von jetzt an kann es mit großen Schritten weiter gen Osten gehen. War das Ende der Donauodysee doch immer etwas was wir den Winter über im Hinterkopf hatten und uns nicht das Gefühl des Weiterkommens gab. Aber wir sind auch traurig das es nun vorbei ist, haben wir doch die Abende am Flußufer, die Ruhe und die Vielflat der Natur und vor allem die Menschen so sehr genoßen!

Die letzten guten 100km führen uns durch das Donau Delta. Die Donau teilt sich hier in 3 Hauptarme auf, von welchen wir den südlichsten wählen, da dieser am wenigsten befahren und am natürlichsten sein soll. Es ist der Sankt-Georgs-Kanal, benannt nach dem Dorf an der Donaumündung.

Wir hatten schon wilde Vorstellungen von einem riesigem Sumpf und Kanälen, die durch eine Dschungel Landschaft führen. Daher waren wir ein wenig enttäuscht als sich der Hauptkanal doch nicht großartig von der restlichen Donau unterschied, mit Außnahme das hier bei weitem mehr Motorboote hin und her fahren. Der Gedanke die letzten Tage vor uns zu haben treibt uns aber vorran und wir wollen endlich das schwarze Meer sehen! Als es endlich soweit ist und wir uns am Strand in die Arme fallen, erfahren wir auch, dass zufällig der Namenstag von Sankt Georg ist und an diesem Abend ein großes Fest im Dorf gefeiert wird. Wir mischen uns unter die Leute, feiern unsere Ankunft und als es dunkel ist, gibt es ein großes Feuerwerk. Wir hätten uns keinen besseren Tag aussuchen können um am schwarzen Meer anzukommen und wir haben das Gefühl das alles – jeder zu windige Tag der unsere Ankunft verzögert hat – auf diesen Abend hinlenkte.

Die Ankunft am schwarzen Meer ist aber noch nicht das Ende unserer Reise mit Fortweinix. Wir haben eine Pfadfindergruppe gefunden wo wir unseren treuen Begleiter lassen können. Der Weg dahin führt uns durch das Gewirr aus kleinen Kanälen und am Ende über den größten See Rumäniens. 3 Tage paddeln wir durch dichte Netz, sind uns nie sicher ob wir eignelitch noch richtig sind und müssen uns durch zugewachsene Stellen kämpfen. Wir sind in dem großen Sumpf den wir uns vorgestellt haben! Überall um uns herum sind Pflanzen und die Artenvielfalt an Tieren lässt uns oft vergessen zu paddeln und nur staunend im Kanu zu sitzen. Wir sehen Komorane, Schwäne, Storche, Pelikane und Fischreier. Unmengen an bunten Fröschen die uns abends ein großes Quark-Konzert bieten, kleine und große Seeschlangen, Schildkröten die schnell abtauchen wenn wir näher kommen und Wildschweine die sich mit lauten Geraschel einen Weg durch das Schilf bahnen. Als dann die Blase doch mal drückt, müssen wir (besonders Kathrin) sehr kreativ werden, weil wir auch nirgendswo mal einen Fuß auf festen Boden setzen können, da alles unter Wasser steht, was uns auch gegen abend ein wenig Sorgen macht da wir keinen Platz finden wo wir unser Zelt aufbauen können. Mittlerweile haben wir aber die Gewissheit dass wir jede Nacht schon irgendwie rumbekommen und wenn man es am wenigsten Erwartet findet man doch noch irgendwo ein schönes Fleckchen wo man sein Zelt aufbauen kann – wie auch hier, mitten im Delta, umgeben von purer Natur und einer Ruhe wie man sie selten findet. Die letzte Nacht die wir mit Fortwienix verbringen ist regnerisch und kalt. Wir wollen unsere Schlafsäcke unter einem alten Dach ausbreiten als wir von Fischern in ihr Haus geholt werden, wo wir den Fang des Tages vorgesetzt bekommen und in einem richtigen warmen Bett schlafen können.

Und dann ist es soweit. Unser letzte Paddeltag und der morgen startet sehr windig. Wir paddeln aus den geschützen Kanälen auf den großen Razim See wo wir sofort von den Wellen gepackt werden. Am Ende will uns die Natur nochmal zeigen was sie zu bieten hat und wir kämpfen uns durch die Wellen. Sie türmen sich immer weiter hoch, bis uns eine Welle von hinten packt und im 45° Winkel vor sich her schiebt. Von vorne höre ich nur Kathrins schrei und bin mir nicht sicher ob es vor Freude oder Angst ist. Wir surfen weiter auf den Wellen und fühlen uns trotz alledem recht sicher mit Fortweinix. Nach reichlich anstrengungen und 16 Kilometern über den offenen See erreichen wir endlich das andere Ufer. Die Pfadfinder von „Cercetaşii Marini Constanta“ (Pfadfinder des Meeres) holen uns ab, ein letztes Mal entladen wir Fortwienix und schnallen es auf ihr Auto.

In Visina bauen sie ein Pfadfinder Begegnungs Zentrum, das Delta Scout Center. Ihre Vision ist ab nächsten Sommer internationale Gruppen einladen zu können und gemeinsam Läger zu veranstalten. Die Nähe zu dem See, dem Delta und einem großen Wald machen die Lage perfekt und wir sind gefangen von den ganzen Ideen und der Begeisterung mit welcher sie ans Werk gehen!

In Constanta erholen wir uns ein paar Tage bevor es morgen weiter geht, weiter in die Welt hinaus!