in den weiten der steppe

Man kommt in so viele Länder und es ist ganz anders als man es sich vorgestellt hat…
Und dann kommt Kasachstan: es ist brütend heiß, die Landschaft ist karg, lange Strecken entdeckt man nichts als ein paar vertrocknete Pflanzen und Kamele…

Vier geschlagene Tage hat es gedauert, bis unser Warten am Hafen belohnt wird und das Frachterschiff von Aserbaidschan nach Kasachstan ablegt. Die heißen Tage am öden Hafen verbringen wir mit russisch lernen und  Gesprächen mit anderen Reisenden. Als es endlich so weit ist und wir mit gepackten Rucksäcken dem Grenzbeamten unsere Pässe überreichen, fragt dieser ganz dreist wo sein Geschenk ist und verlangt zehn Dollar dafür, dass er den ersehnten Stempel aufs Papier drückt. Kringel lässt sich davon nicht beirren, erklärt dass wir kein Geld haben und schließlich bleibt dem selbstgefälligem Uniformträger nichts anderes übrig, als uns gehen zu lassen. Wir betreten das klapprige, rostige Schiff und bei dem Anblick des betrunkenen Kapitäns bin ich mir nicht sicher, ob wir je das andere Ufer erreichen. Der Boden des Bootes ist mit dreckigen Teppichen und Plastikplanen ausgelegt, unsere 4er Kabine gleicht einem Schuh-karton aber zum Glück mit einem Fenster – diesen Luxus besitzt allerdings nicht jede Kabine.
Während wir als “Fußgänger” schon an Bord dürfen, warten Sarah und David noch weitere 7 Stunden, bis sie endlich mit ihrem dunkelgrünen VW Bus auf die untere Ebene fahren dürfen – ein Laster voller Pferde hatte Verspätung und die aufgeregten Tiere treten nervös gegen die Wände des überfüllten LKWs.

Morgens beim Frühstück setzt sich das Schiff langsam in Bewegung und die nächsten knapp 24 Stunden sind wir vom kaspischen Meer umgeben. Tagsüber versucht jeder auf Deck ein schattiges Plätzchen zu finden um sich zu erholen und wir sind froh dass unsere Reise gen Osten endlich weiter geht. Der Tag schleicht langsam dahin, gegen Abend wird die Temperatur angenehm und wir holen schließlich unsere Matten raus um auf Deck zu schlafen, begleitet von Meeresrauschen und dem Anblick der pfeilschnellen Sternschnuppen am Himmel.

Am nächsten Morgen kitzeln mich die allerersten Sonnenstrahlen an der Nase und ich erlebe in völliger Ruhe den Sonnenaufgang, während mir die kühle Meeresbrise um die Nase weht. Anschließend laden mich der Kapitän und sein Team zum Kaffee ein und wir geniessen den Anblick der aufgehenden Sonne während Kringel noch tief und fest schläft. Nach dem Frühstück ist es dann auch schon bald soweit: das Land ist in Sicht und nach einer intensiven Kontrolle unseres Gepäcks erreichen wir den Hafen. Wir verlassen das Boot und sind froh, festen Boden unter den Füßen zu spüren. Nach einem Abstecher zum Supermarkt fahren wir zum Strand, baden in dem warmen Wasser des kaspischen Meeres und genießen den Rest des Tages.
Es scheint uns, alshätte sich halb Kasachstan am Strand versammelt und wir staunen über die neuen Gesichter und die unbekannte Sprache die uns umgibt.

Am nächsten Morgen werden wir von der Hitze geweckt und nehmen ein ausgiebiges Bad im Meer. Sarah und David bereiten in ihrem Raumwunder “Bennybus” Apfelpfannkuchen und Milchkaffee zu, zusammen mit Alex und Alice aus Cornwall genießen wir das köstliche Frühstück mit Blick aufs Meer. Zwei Kasachen schlendern an uns vorbei und wir unterhalten uns nett in gebrochenem Englisch, sie versprechen wieder zu kommen und bringen eine Viertel Stunde später typisch kasachische Spezialitäten vorbei: Qurt, kleine harte Käsebonbons aus Kamelmilch mit strengem Aroma (die Konsistenz ist wie bei den Muh Muhs nur der Geschmack nicht), Walnuss-Schichtkuchen mit Dickmilchfüllung und frische Tomaten aus ihrem Garten.

Wir freuen uns darüber, die nächsten Tage nicht in der Hitze am Straßenrand mit ausgestrecktem Daumen stehen müssen und nehmen das Angebot von Sarah und David, im Bus mitzufahren, dankend an. Nachdem wir noch einmal voll getankt haben, verlassen wir Aktau und steuern unser gemeinsames Ziel an: der Start der bemannten Rakete an der Raumstation in Baikonur.

Die folgenden Tage auf der “Straße” umgeben uns nur die Hitze, kleine Büsche und trockene Gräser, ab und zu ein paar Kamele und Pferde, ein Fuchs rennt vor dem Bus her als wollte er uns den Weg zeigen. Große Falken beäugen mürrisch wie sich der Bus mühsam durch die huppeligen Steppenwege kämpft, bevor sie ihre Flügel aufspannen und davon gleiten… Die Wahrnehmung unserer Umgebung verändert sich und Einsamkeit in der Steppe bekommt etwas magisches: wir genießen leuchtende Sonnenuntergänge in allen Rot- und Orangetönen; die Weite der Landschaft, vollkommene Stille und hell glitzernden Sterne am klaren Nachthimmel lösen eine wohlige Ruhe in uns aus.

Zusammen mit Valentin aus der Bretagne, den wir mit seinem Fahrrad in flimmernder Hitze auf der Straße aufgabeln, kommen wir gerade noch rechtzeitig zur Raumstation in der Wüste. Fünf, Vier, Drei, Zwei, Eins…
Wir halten den Atem an, als sich die Raketeaus einer riesigen Rauchwolke langsam Richtung Himmel bewegt, einen langen Kondensstreifen hinter sich her zieht, langsam immer kleiner wird und schließlich
im tiefen Blau des Alls verschwindet…

 

es kommt immer anders als man denkt

Einen Monat sind wir durch Georgien gereist und während dieser Zeit sind uns Land und Leute so sehr ans Herz gewachsen, dass uns der Moment in dem wir unsere Rucksäcke packen nicht leicht fällt.
Allerdings haben uns die aserbaidschanischen Pfadfinder eingeladen an ihrem nationalen Sommerlager teilzunehmen, was wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollen!
Unsere letzten Tage in Georgien verbringen wir in Tbilisi, wo wir uns hauptsächlich mit Visa-Bestimmungen auseinander setzen, aber auch die Atmosphäre der Stadt aufsaugen und den ein oder anderen besonderen Ort fernab des Trubels entdecken. Es tut uns gut, ein paar Tage am selben Ort zu verbringen und wir planen die nächsten Schritte unserer weiteren Reise.
Als das Sommerlager “Wonderland” aber vor der Tür steht, packen wir wieder unsere 7 Sachen und wollen mit dem Bus an die Stadtgrenze Tbilisis fahren um von dort aus Richtung Osten zu trampen.

Um uns die Wartezeit auf den Bus zu verkürzen und die 35°C ein wenig erträglicher zu machen, gönnen wir uns ein letztes Mal unser georgisches Lieblings-Eis, was aber natürlich dazu führt, dass uns der Bus genau vor der Nase wegfährt..
So bleibt uns nichts anderes übrig, als den Gewaltmarsch zu Fuß anzutreten. Aber wie bisher alles auf dieser Reise, hat auch diese Situation etwas Gutes: nach der Wanderung durch die Stadt liest uns Themmo auf, der uns ein großes Stück bis nach Telavi mitnimmt und uns zu sich nach Hause einläd. Er hat zwanzig Jahre in Deutschland gelebt, ist aber nun nach Georgien zurück gekehrt, weil ihm die deutsche Mentalität zu stressig und eintönig geworden ist…
Wir lernen seine Hunde Lisa und Fiffi sowie seine zwei winzigen, herumtollenden Katzenbabys kennen und geniessen einen köstlichen türkischen Kaffee in seinem idyllischen Garten. Abends machen wir einen Spaziergang am Fluß entlang, philosophieren über das Leben und lernen noch ein paar Details der georgischen Traditionen und Werte kennen: Bevor man dort ein Haus baut, wird zuerst eine Amphore in den Boden gelassen, die später zur Weinherstellung benutzt wird. Jeder George stellt seinen eigenen Wein her und die Menschen sind sehr stolz darauf. Themmo zeigt uns seinen Gemüsegarten, erzählt uns von seinen Zukunftsplänen und Kringels Augen fangen an zu leuchten, als er uns in seine riesige Holzwerstatt führt, wo er eine Menge sehr schön gemasertes Nussbaumholz lagert und verarbeitet. Wir fühlen uns schnell als würden wir uns schon lange kennen und der entspannte Abend endet bei einem gegrillten “Schaschlicki” (in Georgien enden fast alle Wörter auf “i”, auch Toletti und Telefoni) und einem Schluck selbst gemachten Wein draußen auf der Terasse. (Im Georgischen gibt es den Buchstaben “F” nicht, weswegen für die Georgen Frankfurt “Prankpurti” heißt)

Voller Vorfreude treten wir am nächsten Morgen die Weiterfahrt nach Aserbaidschan an und ahnen noch nicht, was dieser Tag an Überraschungen für uns bereithält. Wir werden von einem Mann aus Österreich aufgegabelt, der ebenfalls seine Heimat gegen die atemberaubende Landschaft in der Weinregion Kachetien eingetauscht hat und als nächstes machen wir mit einer Familie einen Ausflug zu der Kathedrale Gremi. Als wir in der Mittagshitze durch ein Dorf laufen, läd ein Mann uns zu einem kalten Wasser und einer Verschnaufpause zu sich nach Hause ein und spielt für uns ein paar traditionelle Lieder auf der Saz. Bevor wir eine weitere Landesgrenze hinter uns lassen, tauschen wir unsere letzten georgischen Lari in Manat, ein Mann schenkt uns eine Flasche seines selbst gemachten Weins und wir geniessen ein Stück Honigmelone, die es an jeder Ecke zu kaufen gibt.

Wir werden von vielen freundlichen Leuten mitgenommen, trotz der eingeschränkten Kommunikation haben wir eine Menge Spaß, hören sogar deutsche Musik und nähern uns langsam dem Camp. Als wir mit einem Taxi trampen, läd uns der Gast des Taxis sogar in sein Restaurant ein und wir bekommen ein “Bavaria Baku”-Bier serviert und dazu ein Tomaten-Omelette mit Salat (Mama, das war fast genau so wie “Hoppel Poppel”!!) gefolgt von Tee mir Erdbeerkompott und vielen lieben Wünschen für unsere Weiterreise. Wir können unser Glück kaum glauben, verlassen beschwingt das Freiluft-Restaurant im Grünen und es fängt langsam an zu dämmern.
Nach insgesamt 14 Autos, bei denen wir an diesem Tag mitfahren dürfen, erreichen wir erschöpft aber ziemlich glücklich das Lager mit seinen insgesamt rund 400 Teilnehmern aus verschiedenen Regionen Aserbaidschans, der Türkei, der Ukraine, Georgien und Ägypten. Die Atmosphäre im Lager ist wunderbar familiär, das Lager ist auf einer riesigen Fläche mittem im Wald aufgebaut und in viele kleine Subcamps aufgeteilt. Es gibt sogar einen selbst gebauten “Pool”, in dem man sich an heißen Tagen abkühlen kann.

Um 7 Uhr morgens schallt es durch das Camp “Staff come!”, es gibt kein Entrinnen oder sich-tot-stellen. Der Weckdienst wartet beharrlich vor jedem Zelt bis man sich meldet und aufsteht. Das Frühstück wird an langen selbst gezimmerten Tischreihen zusammen eingenommen und die Tage des Lagers sind von morgens bis abends mit Programm gefüllt: Wir machen einen Ausflug in die historische Stadt Sheki, wo wir den beeindruckenden Khanspalast besichtigen, bieten tagesfüllende Workshops an, machen Wanderungen, besuchen Museen und gehen am Ende sogar zu einem Schießstand, wo jeder fünf Mal mit einem Gewehr auf ein bewegtes Ziel ballern darf (allerdings nur im Staffteam). Am letzten Abend helfe ich bei dem Pfadfinderversprechen und sauge viele inspirierende Details des feierlichen Prozederes in mich auf.

Als das Lager beendet ist, fahren wir mit den Pfadfindern nach Baku und die riesige Hauptstadt, dessen Grundfläche größer ist als die von London, überfordert uns mit Eindrücken. Neben prunkvoll verzierten historischen Gebäude ragen hypermoderne, geschwungene Hochhäuser in den Himmel und nachts verschwimmt das Flimmern der bunten Stadtlichter mit dem dunstigen Horizont. Die Bande der Formel Eins verteilen sich über die gesamte Stadt und der Reichtum durch das Ölvorkommen ist allgegenwärtig. Wir verbringen unsere Zeit im Scout Office und wandern ziellos in der überfüllten Betonwüste umher und staunen über die Details aus anderen Metropolen, die sich in Baku versammeln: Taxis wie in Großbritannien und ein Park, der sich “Klein Venedig” nennt, wo man Bootstouren in einem künstlich angelegten Kanalsystem machen kann. Die Hitze macht uns zu schaffen und wir sind froh, als wir uns ein paar Tagen später auf den Weg zum Hafen machen, um mit dem Schiff über das kaspische Meer nach Kasachstan zu schippern.

Wir verlassen Baku und werden von zwei Männern an einer Tankstelle raus gelassen um den Rest des Weges zum Schiff zu laufen. Als wir um die Ecke biegen, entdecken wir zwei prall behängte Fahrräder und lernen kurz darauf Armin und Christopher kennen, die mit ihren zwei Drahteseln vor vier Monaten in Leipzig gestartet sind. Sie machen entlang des Weges Projekte in internationalen Schulen um den Kindern Umweltschutz auf spielerische Weise nahe zu bringen. Wir sind beeindruckt von so viel Engagement und passend zu diesem Projekt “timturtle2017” (–>Facebook) sind ihre Fahrradtaschen in knalligem grün. Das sollen aber nicht die letzten Begegnungen mit Reisenden an diesem Tag sein, als wir am Hafen ankommen treffen wir noch Yas & Luca, die mit einem umgebauten Truck samt Hund reisen, Marc und seinen Freund aus der Schweiz, die ebenfalls per Fahrrad unterwegs sind, einen weiteren Tramper aus Frankreich und eine Gruppe Engländer, die mit ihrem Volvo unterwegs sind. Die Fähre ist leider schon voll und wir müssen auf die nächste warten, aber zumindest wird uns die Wartezeit mit interessanten Gesprächen versüßt. Am nächsten Morgen treffen wir noch auf Hugo und seine 80jährige Großmutter, die schon seit seinen Kindesbeinen an gemeinsam reisen (nur seit 10 Jahren nicht mehr im Zelt) und David & Sarah aus Deutschland, die ihren VW-Bus zu einem gemütlichen mobilen Zuhause umgebaut haben und das Urlaubssemester vor der Masterarbeit zum Reisen nutzen…

 

glückliche fügung

Es fühlt sich sogar auf dieser langen Reise ein klitzekleines bisschen wie nach Hause kommen an. Wir öffnen das Gartentor, laufen die altbekannten Stufen hoch durch den blühenden Garten und schon liegen sich Kringel uns Hüseyin in den Armen. Bei dem Blick in Hüseyins freudestrahlenden Augen fängt mein Bauch an zu kribbeln – es ist ein ganz besonderes Wiedersehen für uns. Als wären wir nie weg gewesen fühlt es sich an, wir gehen zusammen segeln und verbringen ein paar Tage auf Cunda bevor wir uns zusammen auf den Weg zur Schwarzmeerküste machen, wo sich das Restaurant und Hotel „Kerpe Diem“ der Familie befindet. Umgeben von Maulbeerbäumen und Artischockenpflanzen liegt das Hotel mitten im Wald und die Hühner laufen frei herum. Hüseyin zeigt uns, wie man mit Netzen fischt und die Fische ausnimmt, wir musizieren zusammen und geniessen die entspannte Atmosphäre, natürlich immer mit einem typisch türkischen Tee zwischendurch, danach oder mittendrin.

An den atembraubenden Klippen in Kerpe erhaschen wir einen ersten Eindruck von unserer Weiterreise und entlang des Schwarzen Meeres trampen wir Richtung Osten. Unsere Augen können sich an dem Anblick der Klippen und des blaugrünen Meeres nicht satt sehen, wir schlafen in einer einsamen Bucht am Strand und die Küstenstraße führt uns in einem wohligen auf und ab der georgischen Grenze entgegen. Das Glück des Zufalls kreuzt mehrfach unseren Weg und wir erleben einen unvergesslichen Abend in Amasra mit Necdet und Aydin aus Duisburg; mit Ferhat, der uns in seinem LKW auf den holprigen Straßen mitnimmt und mit Mustafa, der mit uns sieben Stunden durch die Nacht bis zur georgischen Grenze fährt.

In den frühen Morgenstunden erreichen wir die Grenze, die Sonne schiebt sich langsam hinter den Klippen hervor und wir verlassen den LKW gleichzeitig aufgeregt und nervös. Uns erwartet eine neue Landesgrenze, wir überschreiten die zweite Zeitzone unserer Reise und außerdem sind wir die nächsten Wochen nicht nur von einer neuen Sprache umgeben sondern auch von einer neuen Schrift. Zunächst gestaltet sich das Trampen nicht besonders einfach und die Küstenstadt Batumi macht einen zwiegespaltenen Eindruck auf uns, dann haben wir aber Glück und erfahren auf dem Weg ins Landesinnere nicht nur einiges über die Musik und Essenskultur der Georgen, wir lernen auch die ersten Worte Georgisch („gaumarjos“ – Hallo und „madloba“ – Danke) und besuchen die römische Ruine „Petra“ mit Blick aufs Meer.
Kutaissi, die drittgrößte Stadt Georgiens zeigt sich uns im schönsten Wetter und wir tauchen in die Esskultur ein, indem wir von einem Einheimischen zu dem Nationalgericht Chinkali eingeladen werden. Neben einem neuen Geschmack probieren wir uns ebenfalls die richtige Verzehrweise dieser köstlich gefüllten Teigtaschen und nachdem wir viele neue Details über die jahrtausende alte Kultur der Georgen erfahren haben, verbringen wir den Rest des Tages am rauschenden Rioniufer. Auf dem Weg nach Tiflis sind wir überrascht von der schönen Landschaft, den großen saftig grünen Wäldern, den vielen Wasserfällen und Flüßen und fahren in eine Großstadt, die von vielen Einflüssen geprägt ist. Wir besuchen den bunten botanischen Garten, den Wasserfall inmitten der Stadt und staunen über die Ruinen der großen Festung Nariqala aus dem dritten Jahrhundert. In unserem Hostel fühlen wir uns sehr willkommen und mehr wie in einer Wohngemeinschaft mit Leuten aus Belgien, Ägypten, Georgien und dem Iran. Unsere Neugierde wächst die vielfältige Natur zu erforschen in den Bergen wandern zu gehen.

Ein paar Tage später freuen wir uns sehr auf Besuch aus der Heimat: Marina & Ferry haben Georgien als Urlaubsort gewählt und so kreuzen sich unsere Wege und wir brechen zu viert nach einem musikalischen Abend begleitet von dem selbstgemachten Wein und Chacha des Hostelbesitzers zu einem sensationellen Roadtrip quer durchs Land auf. Wir wandern durch eine 75 Meter tiefe Höhle und besuchen eine vielfach so tiefe Schlucht, auf deren ins freie ragenden Plattform wir mit weichen Knien stehen. Wir futtern uns durch georgische Spezialitäten und als es abends um die Schlafplatzsuche geht, läd uns die Köchin aus einem kleinen Familienrestaurant im Grünen kurzum zu sich nach Hause ein. Wir lernen die gesamte Familie kennen und bei herzlicher Gastfreundschaft verbringen wir einen unvergesslichen Abend, bevor wir uns auf den Weg in die Berge machen.

Nach einer mehrstündigen holprigen Fahrt über die unbefestigten Straßen kommen wir im Bergdorf Mestia an und lernen hautnah georgische Volksmusik in einem kleinen Cafe kennen, performt von drei Männern die die typisch georgische Laute “Panduri” spielen und dazu mehrstimmig singen. Am nächsten morgen fahren wir weiter nach Uschguli, dem höchst gelegenen dauerhaft besiedelten Dorf Europas, wo es im Winter monatelang bis zu -30 Grad Celsius sein kann, bei Tiefschnee und unbefahrbaren Straßen. Kühe und Wildpferde auf der Fahrbahn sind in Georgien keine Seltenheit und wir machen eine Wanderung in die Nähe des Gletschers, vorbei an vielen für die Region charakteristischen Wehrtürmen aus dem 12. Jahrhundert. Wir sind umgeben von einer bunt blühenden Landschaft: Kuckuckusblumen, Rhododendron, Lilien und andere Blüten sorgen für einen süßlich frischen Duft, umrahmt von den weiß leuchtenden, schneebedeckten Bergen des großen Kaukasus, der seine bis zu 5000 Meter hohen Gipfel in den Himmel reckt. Wir können uns an diesem Anblick kaum satt sehen, machen uns aber ein paar Tage später trotzdem wieder auf den Weg zurück ins Landesinnere, Georgien hat schließlich noch so viel mehr zu bieten… 

 

donau ade

Da hinten am Horizont können wir es sehen. Eine kleine Lücke zwischen den Bäumen die mit jedem Meter größer wird. Die Aufregung wächst – nicht nur wegen den höher werdenden Wellen, sondern auch weil wir wissen das wir es gleich geschafft haben. Der Wind pustet uns salzige Luft entgegen und die Donau wird breiter und breiter, bis wir mit einem mal nichts mehr vor uns haben als Wasser. Wir parken am Strand und fallen uns in die Arme. Endlich sind wir da! All die Anstrengungen fallen von uns ab und wir sind überglücklich diese Reise mit Fortwienix gemeistert zu haben.

Sollte es doch nur „die erste Etappe“ werden, war es schon eine Reise für sich. Wir sind froh, dass es zuende ist, denn von jetzt an kann es mit großen Schritten weiter gen Osten gehen. War das Ende der Donauodysee doch immer etwas was wir den Winter über im Hinterkopf hatten und uns nicht das Gefühl des Weiterkommens gab. Aber wir sind auch traurig das es nun vorbei ist, haben wir doch die Abende am Flußufer, die Ruhe und die Vielflat der Natur und vor allem die Menschen so sehr genoßen!

Die letzten guten 100km führen uns durch das Donau Delta. Die Donau teilt sich hier in 3 Hauptarme auf, von welchen wir den südlichsten wählen, da dieser am wenigsten befahren und am natürlichsten sein soll. Es ist der Sankt-Georgs-Kanal, benannt nach dem Dorf an der Donaumündung.

Wir hatten schon wilde Vorstellungen von einem riesigem Sumpf und Kanälen, die durch eine Dschungel Landschaft führen. Daher waren wir ein wenig enttäuscht als sich der Hauptkanal doch nicht großartig von der restlichen Donau unterschied, mit Außnahme das hier bei weitem mehr Motorboote hin und her fahren. Der Gedanke die letzten Tage vor uns zu haben treibt uns aber vorran und wir wollen endlich das schwarze Meer sehen! Als es endlich soweit ist und wir uns am Strand in die Arme fallen, erfahren wir auch, dass zufällig der Namenstag von Sankt Georg ist und an diesem Abend ein großes Fest im Dorf gefeiert wird. Wir mischen uns unter die Leute, feiern unsere Ankunft und als es dunkel ist, gibt es ein großes Feuerwerk. Wir hätten uns keinen besseren Tag aussuchen können um am schwarzen Meer anzukommen und wir haben das Gefühl das alles – jeder zu windige Tag der unsere Ankunft verzögert hat – auf diesen Abend hinlenkte.

Die Ankunft am schwarzen Meer ist aber noch nicht das Ende unserer Reise mit Fortweinix. Wir haben eine Pfadfindergruppe gefunden wo wir unseren treuen Begleiter lassen können. Der Weg dahin führt uns durch das Gewirr aus kleinen Kanälen und am Ende über den größten See Rumäniens. 3 Tage paddeln wir durch dichte Netz, sind uns nie sicher ob wir eignelitch noch richtig sind und müssen uns durch zugewachsene Stellen kämpfen. Wir sind in dem großen Sumpf den wir uns vorgestellt haben! Überall um uns herum sind Pflanzen und die Artenvielfalt an Tieren lässt uns oft vergessen zu paddeln und nur staunend im Kanu zu sitzen. Wir sehen Komorane, Schwäne, Storche, Pelikane und Fischreier. Unmengen an bunten Fröschen die uns abends ein großes Quark-Konzert bieten, kleine und große Seeschlangen, Schildkröten die schnell abtauchen wenn wir näher kommen und Wildschweine die sich mit lauten Geraschel einen Weg durch das Schilf bahnen. Als dann die Blase doch mal drückt, müssen wir (besonders Kathrin) sehr kreativ werden, weil wir auch nirgendswo mal einen Fuß auf festen Boden setzen können, da alles unter Wasser steht, was uns auch gegen abend ein wenig Sorgen macht da wir keinen Platz finden wo wir unser Zelt aufbauen können. Mittlerweile haben wir aber die Gewissheit dass wir jede Nacht schon irgendwie rumbekommen und wenn man es am wenigsten Erwartet findet man doch noch irgendwo ein schönes Fleckchen wo man sein Zelt aufbauen kann – wie auch hier, mitten im Delta, umgeben von purer Natur und einer Ruhe wie man sie selten findet. Die letzte Nacht die wir mit Fortwienix verbringen ist regnerisch und kalt. Wir wollen unsere Schlafsäcke unter einem alten Dach ausbreiten als wir von Fischern in ihr Haus geholt werden, wo wir den Fang des Tages vorgesetzt bekommen und in einem richtigen warmen Bett schlafen können.

Und dann ist es soweit. Unser letzte Paddeltag und der morgen startet sehr windig. Wir paddeln aus den geschützen Kanälen auf den großen Razim See wo wir sofort von den Wellen gepackt werden. Am Ende will uns die Natur nochmal zeigen was sie zu bieten hat und wir kämpfen uns durch die Wellen. Sie türmen sich immer weiter hoch, bis uns eine Welle von hinten packt und im 45° Winkel vor sich her schiebt. Von vorne höre ich nur Kathrins schrei und bin mir nicht sicher ob es vor Freude oder Angst ist. Wir surfen weiter auf den Wellen und fühlen uns trotz alledem recht sicher mit Fortweinix. Nach reichlich anstrengungen und 16 Kilometern über den offenen See erreichen wir endlich das andere Ufer. Die Pfadfinder von „Cercetaşii Marini Constanta“ (Pfadfinder des Meeres) holen uns ab, ein letztes Mal entladen wir Fortwienix und schnallen es auf ihr Auto.

In Visina bauen sie ein Pfadfinder Begegnungs Zentrum, das Delta Scout Center. Ihre Vision ist ab nächsten Sommer internationale Gruppen einladen zu können und gemeinsam Läger zu veranstalten. Die Nähe zu dem See, dem Delta und einem großen Wald machen die Lage perfekt und wir sind gefangen von den ganzen Ideen und der Begeisterung mit welcher sie ans Werk gehen!

In Constanta erholen wir uns ein paar Tage bevor es morgen weiter geht, weiter in die Welt hinaus!

von der duna zur dunav

Während wir nach einem langen Wochenende zwischen Buda und Pest durchpaddeln, bietet sich uns ein völlig anderer Blick auf die Stadt, den wir als gelungenen Abschluss einer schönen Zeit mit interessanten Kontakten und vielen Eindrücken sehr geniessen. Und zu dem Zeitpunkt ahnen wir auch noch nicht, was die nächsten Tage für uns Spannendes bereit halten…

Wir suchen uns kurz hinter der Stadt einen Lagerplatz und staunen am nächsten Morgen nicht schlecht, als es sich direkt vor unserem Zelt zwei Angler in der Frühe gemütlich gemacht haben. Sie sind schockiert darüber, dass wir das Donauwasser zum Kaffeekochen benutzen wollen und prompt bekommen wir Wasser, Weißbrot und einen frisch geangelten Fisch geschenkt. Wir unterhalten uns noch eine Weile mit Händen, Füßen und viel Zeichensprache mit dem Angler Joszéf und so viel Herzlichkeit und Freundlichkeit am frühen Morgen sorgen dafür, dass wir beschwingt in den Tag starten.

An der ungarischen Grenze, von wo aus die Donau die Grenze zwischen Kroatien und Serbien bildet, wird uns mitgeteilt, dass wir von nun an in jedem Land einen Einreise- und Ausreisestempel bekommen müssen, jedoch liegen die Zollstation bis zu 100km auseinander. Nachdem wir unseren Ausreisestempel in Ungarn bekommen haben, müssen wir 30km bis zur serbischen Station fahren. Hier werden 65 Euro Gebühr fällig, allerdings hatte die „Kasse“ schon geschlossen und wir sollen den Papierkram einfach in Novi Sad, 150km flussabwärts erledigen und währenddessen auf der kroatischen Seite übernachten, da wir ohne Einreisestempel nicht in Serbien schlafen dürfen. Gesagt, getan. Aber dann geht der ganze Spaß erst los: die kroatische Polizei hält uns auf dem Fluss an und erklärt uns, dass wir nicht in Kroatien übernachten dürfen, weil wir keinen kroatischen Einreisestempel haben. Wir sollen einfach auf der serbischen Seite bleiben und uns am nächsten Tag in der kroatischen Zollstation melden – 75km entfernt, was ziemlich viel ist, da die Donau zu dieser Zeit keine nennenswerte Strömung hat. Mittlerweile fühlen wir uns schon wie Verbrecher, nirgendwo geduldet und schlagen unseren Schlafplatz illergalerweise, versteckt hinter ein paar Büschen auf.

Am nächsten Tag liegt folglich eine lange Etappe vor uns und wir kommen in der kroatischen Zollstation abends im Dunkeln und bei Regen an. Nach einigem hin und her bekommen wir direkt Einreise- und Ausreisestempel und befinden uns aber wieder illegal zwischen Kroatien und Serbien, weil wir uns eigentlich noch am selben Tag in Novi Sad, Serbien melden müssten. Zwischen den beiden Orten liegen übrigens 80 km und wie toll der nächsten Tag war kann man sich jetzt denken… Das einzig Gute daran ist: Hier verläuft das Einchecken total unkompliziert, keiner will uns 65 Euro abknöpfen und wir bekommen den ersehnten serbischen Stempel. Wer bei diesem hin und her nicht mehr mitkommt – wir tun es auch nicht 😉

Nachdem alle Stempel auf den richtigen Papieren platziert sind, fahren wir an Sremski Karlovci vorbei und stoßen auf eine ziemlich tolle Einrichtung: Ein Eco Center mit Hostel und verschiedenen Projekten, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit angeht. Die Mitarbeiter dort sind sehr freundlich und laden uns direkt zum Essen ein: typisch serbisches Paprikasch mit Brot, einen Rakija und als Nachtisch Apfelstrudel – alles von der Mutter einer der Mitarbeiter selbst gemacht und unglaublich köstlich. Wir machen eine Führung durch die Einrichtung und die nebenan liegende Sprachschule und haben einen richtig interessanten Tag.

Der Herbst kommt mit langen Schritten immer näher, färbt die Bäume gold-gelb und lässt die Abendsonne alles in ihr warmes Licht tauchen. Der Wind umspielt uns, nimmt zeitweise alle Gedanken mit sich und lässt nur Platz für freie Glückseligkeit. Viele Kilometer artenreicher Auwald säumen hier das Ufer und das Bild der Naturidylle wird nur von dem ganzen Müll gestört, der am Ufer angespült wird – dafür werden wir überall sehr freundlich empfangen und es entwickeln sich schnell interessante Gespräche mit Einheimischen. Die Temperaturen sorgen dafür, dass wir nicht mehr jeden Tag mit Vergnügen in die Donau springen, sondern nur widerwillig untertauchen beim Baden.

Am nächsten Morgen setzen wir unseren Weg nach Belgrad fort und da der Herbstwind günstig weht und Kringel in der Mittagspause zufällig eine Plane findet, baut er kurzerhand ein super funktionierendes Segel, was uns im Nu vorwärts treibt. Wir reiten so schnell über die schäumenden Wellen, dass es nur so in den Ohren rauscht und wir gar nicht so stark paddeln müssen.

Und dann ist er da. Kurz vor Belgrad: Kilometer 1190 – unser Kilometer-Bergfest! Es ist zwar schon dunkel, als wir ankommen, aber das Gefühl ist unbeschreiblich. Wir wissen, dass wir 1190000 Meter im Kanu mit unser eigenen Muskelkraft zurück gelegt haben. Wir sind von Deutschland nach Serbien, von Regensburg bis nach Belgrad gefahren in unserer Nussschale „Fortwienix“ – eine Strecke, die sich so weit anhört. Dieses Gefühl breitet sich wohlig warm im Bauch aus und macht uns fast ein wenig stolz und wir werden es in Belgrad ein wenig auskosten, während wir uns eine kleine Paddelpause gönnen um uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen…

 

von der donau zur duna

Die ersten Landesgrenzen haben wir nun endlich überschritten. Österreich durchpaddelten wir von Ost nach West, anschließend die Slowakei bevor sich die Donau nach Süden durch Ungarn schlängelt. Hatten wir doch oft das Gefühl in Deutschland und Österreich ist die Donau eingezwängt und gezähmt durch hohe Dämme und Staumauern, folgt mit dem Grenzübetritt in die Slowakei endlich das Gefühl auf welches wir so gespannt waren. Die Landschaft verändert sich, der Fluß ist nicht mehr eingeengt sondern hat eine natürliche Uferböschung, wir haben wieder das Gefühl von der Strömung ein wenig getragen zu werden und auch die Sprache ist anders. All das lässt das „Urlaubsgefühl“ welches sich in Deutschland und Österreich in den ersten Wochen eingeschlichen hat verschwinden und das Ausmaß der Reise wird uns mit jedem Meter deutlicher.

Nicht nur unser Gefühl ändert sich mit der Zeit, sondern auch die bevorstehende Herbstzeit mit den herabfallenden Blättern und das Rauschen des Laubs schleicht sich langsam ein, gab es doch schon den ein oder anderen Tag den wir nicht oberkörper frei auf dem Fluß paddeln konnten. Im Gegenzug mehren sich aber auch die Abende an denen wir uns am Feuer die Füße wieder aufwärmen.

Nach dem ersten Monat auf See steht die Rollenaufteilung in Kapitän und Smutje und die Arbeitsabläufe gehen Hand in Hand. Unsere täglich wachsenden Oberarme lassen den Bug von Fortwienix durch die Wellen pflügen und bringen uns mit rasender Geschwindigkeit dem schwarzen Meer entgegen.

Die traute Zweisamkeit wird immer weniger gestört je weiter wir gen Osten kommen. Die Angler am Ufer treten sich nicht mehr gegenseitig auf die Füße und dem Schiffsverkehr gehen wir so gut es geht aus dem Weg indem wir die künstlich angelegten Kanäle für Frachter und Fähren meiden und die natürlich laufenden Nebenarme benutzen. Dort gibt es besonders schöne Plätze zum Zelten, wir müssen nicht auf den kleinen Rand der Wiese neben dem Donauradweg ausweichen und können die Ruhe, das Zwitschern der Vogel und das Rauschen der Wellen ungestört geniessen.

Ganz anders ist es allerdings wenn wir durch größere Städte fahren. Da fallen uns umso mehr der Lärm, die Geschäftigkeit und der Trubel auf. Mit den letzten Besorgungen, die wir in Wien getätig haben, den vielen Eindrücken und besonders der Gastfreundschaft von Elena und Andy sind die Tage trotzdem verflogen. Wir haben den deutschsprachigen Raum verlassen um für ein paar Tage noch einmal die Ruhe und die Einsamkeit der Duna aufzusaugen bevor uns der Lärm, die Geschäftigkeit und der Trubel von Budapest wieder in ihren Bann nehmen.

die reise beginnt

Es wird einem erst richtig bewusst, dass es bald losgeht, wenn man anfängt Abschied zu nehmen: das letzte Mal Falafel essen, Familie & Freunde das letzte Mal sehen und drücken, das letzte Mal im heimischen Bett schlafen – ein mulmiges Gefühl, was sich kaum beschreiben lässt. Nachdem wir so lange darauf gewartet und so oft davon geredet haben, erscheint es unwirklich, dass nun der Punkt ist, an dem nun wirklich alles beginnt.

Der Wecker klingelt nach einer schlaflosen Nacht und mit gemischten Gefühlen steigen wir schlaftrunken in den Bulli, der uns samt Kanu zu unserem Startpunkt in Regensburg bringt.

Kilometer 2380. Mit den ersten Paddelstichen fällt auch der Stress der letzten Tage von uns ab, wir geniessen das Plätschern unter uns, bestaunen Regensburg mit seinen imposanten Domtürmen und einige Kilometer später Walhalla (einen griechischen Tempel hoch über dem Fluss) und ein großer Krähenschwarm fliegt über uns hinweg. Wir bleiben den ersten Abend auf einer kleinen Insel mittem auf dem Fluss, geniessen das noch ungewohnte Gefühl, das bisherige Leben für das Unterwegssein hinter uns gelassen zu haben und sortieren unser Gepäck neu.

Die Wellen der Fähren oder Frachtschiffe lassen uns das ein oder andere Mal das Herz in die Badehose rutschen, aber Fortwienix hält tapfer die Nase oben und trägt uns sicher den Fluss hinunter. In Deutschland sind viele Sportboote unterwegs, die bei dem heissen Wetter das Lenken für Kringel zur Herausforderung machen, weil ständig von allen Seiten Wellen auftauchen. Die einsamen Passagen des Flusses geniessen wir umso mehr. Kleine Fische umspielen unser Kanu, wir können einen Biber beobachten, der kraftvoll direkt neben uns ins Wasser springt und eine Eule fliegt fast lautlos eines abends über unseren Schlafplatz hinweg.

Morgens starten wir mit Beerenmüsli und selbst gepflückten, wunderbar süßen Äpfeln und Cowboykaffee in den Tag, während die ersten Sonnenstrahlen hinter den Bäumen hervor blinzeln. Wir paddeln den Tag über, machen unsere wohl verdiente Mittagspause (Erdnussbutterbrote mit Apfelscheiben und Studentenfutter) auf dem Fluss und abends fangen wir beim Baden im Flusswasser und Kochen die letzten Sonnenstrahlen ein. Müde von den vielen neuen Eindrücken des Tages fallen wir in unsere Schlafsäcke und träumen sogar schon manchmal von dem Schaukeln des Kanus, was uns den Tag über begleitet.

An den Schleusen hatten wir bisher schon einige Male das Glück, mit Frachtern oder Passagierschiffen durch die Schleusentore zu fahren und das Boot nicht mühsam umtragen zu müssen. Während wir mit einem kleinen Sportboot in der Schleuse warteten, haben wir die beiden interessierten Urlauber darin kennen gelernt und von ihnen einige Lebensweisheiten mit auf den Weg genommen.

Sogar ein paar dramatische Situationen haben bisher unseren Weg gekreuzt und dafür gesorgt, dass wir das Gefühl haben, schon viel länger als eine Woche unterwegs zu sein. Zu diesen gehören Wellen, die uns morgens unsanft wecken weil sie uns fast samt unseres Lager weg spülen; oder ein Angelhaken, der sich auf unglückliche Art und Weise in einem Bein verhakt; ein Gewitter, welches die Zeltwand bis auf unsere Nase drückt; die Erkenntnis, dass unser Bootswagen einen Platten hat und wir bei 30 Grad im Schatten eine kilometerlange Umtragestelle vor uns haben – nur ohne Schatten – bis hin zu experimentellen Methoden das Kanu umzutragen und sich dabei fast mehrere Rippen zu brechen.

Im Kontrast dazu stehen aber auch die vielen wunderschönen Momente und Menschen denen wir auf Reisen begegnen und vor allem das Gefühl unterwegs zu sein und sich nicht mehr Gedanken machen zu müssen als was wir abends gerne essen möchte oder an welchem Ort wir unser Zelt aufbauen möchten. Deshalb haben wir uns auch für die „einfache“ Art des Reisens entschieden.

Auch wenn es erst 2 Wochen sind, lernt man die Kleinigkeiten wieder zu schätzen und merkt wie wenig es doch braucht. Seien es die frisch gepflückten Brombeeren im Frühstücksmüsli oder ein Stück von der verbliebenen Nuss-Krokant Schokolade nach einem anstrengendem Tag auf der Donau.

Inzwischen haben wir die ersten 420km hinter uns und Zeit gefunden die ersten Zeilen zu schreiben, da wir durch einen Dauerregen im Zelt gefangen gehalten werden. In 5-6 Tagen erreichen wir hoffentlich Wien, von wo aus es dann nicht mehr weit bis zum Balkan ist.

Gut Pfad!