von der duna zur dunav

Während wir nach einem langen Wochenende zwischen Buda und Pest durchpaddeln, bietet sich uns ein völlig anderer Blick auf die Stadt, den wir als gelungenen Abschluss einer schönen Zeit mit interessanten Kontakten und vielen Eindrücken sehr geniessen. Und zu dem Zeitpunkt ahnen wir auch noch nicht, was die nächsten Tage für uns Spannendes bereit halten…

Wir suchen uns kurz hinter der Stadt einen Lagerplatz und staunen am nächsten Morgen nicht schlecht, als es sich direkt vor unserem Zelt zwei Angler in der Frühe gemütlich gemacht haben. Sie sind schockiert darüber, dass wir das Donauwasser zum Kaffeekochen benutzen wollen und prompt bekommen wir Wasser, Weißbrot und einen frisch geangelten Fisch geschenkt. Wir unterhalten uns noch eine Weile mit Händen, Füßen und viel Zeichensprache mit dem Angler Joszéf und so viel Herzlichkeit und Freundlichkeit am frühen Morgen sorgen dafür, dass wir beschwingt in den Tag starten.

An der ungarischen Grenze, von wo aus die Donau die Grenze zwischen Kroatien und Serbien bildet, wird uns mitgeteilt, dass wir von nun an in jedem Land einen Einreise- und Ausreisestempel bekommen müssen, jedoch liegen die Zollstation bis zu 100km auseinander. Nachdem wir unseren Ausreisestempel in Ungarn bekommen haben, müssen wir 30km bis zur serbischen Station fahren. Hier werden 65 Euro Gebühr fällig, allerdings hatte die „Kasse“ schon geschlossen und wir sollen den Papierkram einfach in Novi Sad, 150km flussabwärts erledigen und währenddessen auf der kroatischen Seite übernachten, da wir ohne Einreisestempel nicht in Serbien schlafen dürfen. Gesagt, getan. Aber dann geht der ganze Spaß erst los: die kroatische Polizei hält uns auf dem Fluss an und erklärt uns, dass wir nicht in Kroatien übernachten dürfen, weil wir keinen kroatischen Einreisestempel haben. Wir sollen einfach auf der serbischen Seite bleiben und uns am nächsten Tag in der kroatischen Zollstation melden – 75km entfernt, was ziemlich viel ist, da die Donau zu dieser Zeit keine nennenswerte Strömung hat. Mittlerweile fühlen wir uns schon wie Verbrecher, nirgendwo geduldet und schlagen unseren Schlafplatz illergalerweise, versteckt hinter ein paar Büschen auf.

Am nächsten Tag liegt folglich eine lange Etappe vor uns und wir kommen in der kroatischen Zollstation abends im Dunkeln und bei Regen an. Nach einigem hin und her bekommen wir direkt Einreise- und Ausreisestempel und befinden uns aber wieder illegal zwischen Kroatien und Serbien, weil wir uns eigentlich noch am selben Tag in Novi Sad, Serbien melden müssten. Zwischen den beiden Orten liegen übrigens 80 km und wie toll der nächsten Tag war kann man sich jetzt denken… Das einzig Gute daran ist: Hier verläuft das Einchecken total unkompliziert, keiner will uns 65 Euro abknöpfen und wir bekommen den ersehnten serbischen Stempel. Wer bei diesem hin und her nicht mehr mitkommt – wir tun es auch nicht 😉

Nachdem alle Stempel auf den richtigen Papieren platziert sind, fahren wir an Sremski Karlovci vorbei und stoßen auf eine ziemlich tolle Einrichtung: Ein Eco Center mit Hostel und verschiedenen Projekten, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit angeht. Die Mitarbeiter dort sind sehr freundlich und laden uns direkt zum Essen ein: typisch serbisches Paprikasch mit Brot, einen Rakija und als Nachtisch Apfelstrudel – alles von der Mutter einer der Mitarbeiter selbst gemacht und unglaublich köstlich. Wir machen eine Führung durch die Einrichtung und die nebenan liegende Sprachschule und haben einen richtig interessanten Tag.

Der Herbst kommt mit langen Schritten immer näher, färbt die Bäume gold-gelb und lässt die Abendsonne alles in ihr warmes Licht tauchen. Der Wind umspielt uns, nimmt zeitweise alle Gedanken mit sich und lässt nur Platz für freie Glückseligkeit. Viele Kilometer artenreicher Auwald säumen hier das Ufer und das Bild der Naturidylle wird nur von dem ganzen Müll gestört, der am Ufer angespült wird – dafür werden wir überall sehr freundlich empfangen und es entwickeln sich schnell interessante Gespräche mit Einheimischen. Die Temperaturen sorgen dafür, dass wir nicht mehr jeden Tag mit Vergnügen in die Donau springen, sondern nur widerwillig untertauchen beim Baden.

Am nächsten Morgen setzen wir unseren Weg nach Belgrad fort und da der Herbstwind günstig weht und Kringel in der Mittagspause zufällig eine Plane findet, baut er kurzerhand ein super funktionierendes Segel, was uns im Nu vorwärts treibt. Wir reiten so schnell über die schäumenden Wellen, dass es nur so in den Ohren rauscht und wir gar nicht so stark paddeln müssen.

Und dann ist er da. Kurz vor Belgrad: Kilometer 1190 – unser Kilometer-Bergfest! Es ist zwar schon dunkel, als wir ankommen, aber das Gefühl ist unbeschreiblich. Wir wissen, dass wir 1190000 Meter im Kanu mit unser eigenen Muskelkraft zurück gelegt haben. Wir sind von Deutschland nach Serbien, von Regensburg bis nach Belgrad gefahren in unserer Nussschale „Fortwienix“ – eine Strecke, die sich so weit anhört. Dieses Gefühl breitet sich wohlig warm im Bauch aus und macht uns fast ein wenig stolz und wir werden es in Belgrad ein wenig auskosten, während wir uns eine kleine Paddelpause gönnen um uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen…

 

von der donau zur duna

Die ersten Landesgrenzen haben wir nun endlich überschritten. Österreich durchpaddelten wir von Ost nach West, anschließend die Slowakei bevor sich die Donau nach Süden durch Ungarn schlängelt. Hatten wir doch oft das Gefühl in Deutschland und Österreich ist die Donau eingezwängt und gezähmt durch hohe Dämme und Staumauern, folgt mit dem Grenzübetritt in die Slowakei endlich das Gefühl auf welches wir so gespannt waren. Die Landschaft verändert sich, der Fluß ist nicht mehr eingeengt sondern hat eine natürliche Uferböschung, wir haben wieder das Gefühl von der Strömung ein wenig getragen zu werden und auch die Sprache ist anders. All das lässt das „Urlaubsgefühl“ welches sich in Deutschland und Österreich in den ersten Wochen eingeschlichen hat verschwinden und das Ausmaß der Reise wird uns mit jedem Meter deutlicher.

Nicht nur unser Gefühl ändert sich mit der Zeit, sondern auch die bevorstehende Herbstzeit mit den herabfallenden Blättern und das Rauschen des Laubs schleicht sich langsam ein, gab es doch schon den ein oder anderen Tag den wir nicht oberkörper frei auf dem Fluß paddeln konnten. Im Gegenzug mehren sich aber auch die Abende an denen wir uns am Feuer die Füße wieder aufwärmen.

Nach dem ersten Monat auf See steht die Rollenaufteilung in Kapitän und Smutje und die Arbeitsabläufe gehen Hand in Hand. Unsere täglich wachsenden Oberarme lassen den Bug von Fortwienix durch die Wellen pflügen und bringen uns mit rasender Geschwindigkeit dem schwarzen Meer entgegen.

Die traute Zweisamkeit wird immer weniger gestört je weiter wir gen Osten kommen. Die Angler am Ufer treten sich nicht mehr gegenseitig auf die Füße und dem Schiffsverkehr gehen wir so gut es geht aus dem Weg indem wir die künstlich angelegten Kanäle für Frachter und Fähren meiden und die natürlich laufenden Nebenarme benutzen. Dort gibt es besonders schöne Plätze zum Zelten, wir müssen nicht auf den kleinen Rand der Wiese neben dem Donauradweg ausweichen und können die Ruhe, das Zwitschern der Vogel und das Rauschen der Wellen ungestört geniessen.

Ganz anders ist es allerdings wenn wir durch größere Städte fahren. Da fallen uns umso mehr der Lärm, die Geschäftigkeit und der Trubel auf. Mit den letzten Besorgungen, die wir in Wien getätig haben, den vielen Eindrücken und besonders der Gastfreundschaft von Elena und Andy sind die Tage trotzdem verflogen. Wir haben den deutschsprachigen Raum verlassen um für ein paar Tage noch einmal die Ruhe und die Einsamkeit der Duna aufzusaugen bevor uns der Lärm, die Geschäftigkeit und der Trubel von Budapest wieder in ihren Bann nehmen.