donau ade

Da hinten am Horizont können wir es sehen. Eine kleine Lücke zwischen den Bäumen die mit jedem Meter größer wird. Die Aufregung wächst – nicht nur wegen den höher werdenden Wellen, sondern auch weil wir wissen das wir es gleich geschafft haben. Der Wind pustet uns salzige Luft entgegen und die Donau wird breiter und breiter, bis wir mit einem mal nichts mehr vor uns haben als Wasser. Wir parken am Strand und fallen uns in die Arme. Endlich sind wir da! All die Anstrengungen fallen von uns ab und wir sind überglücklich diese Reise mit Fortwienix gemeistert zu haben.

Sollte es doch nur „die erste Etappe“ werden, war es schon eine Reise für sich. Wir sind froh, dass es zuende ist, denn von jetzt an kann es mit großen Schritten weiter gen Osten gehen. War das Ende der Donauodysee doch immer etwas was wir den Winter über im Hinterkopf hatten und uns nicht das Gefühl des Weiterkommens gab. Aber wir sind auch traurig das es nun vorbei ist, haben wir doch die Abende am Flußufer, die Ruhe und die Vielflat der Natur und vor allem die Menschen so sehr genoßen!

Die letzten guten 100km führen uns durch das Donau Delta. Die Donau teilt sich hier in 3 Hauptarme auf, von welchen wir den südlichsten wählen, da dieser am wenigsten befahren und am natürlichsten sein soll. Es ist der Sankt-Georgs-Kanal, benannt nach dem Dorf an der Donaumündung.

Wir hatten schon wilde Vorstellungen von einem riesigem Sumpf und Kanälen, die durch eine Dschungel Landschaft führen. Daher waren wir ein wenig enttäuscht als sich der Hauptkanal doch nicht großartig von der restlichen Donau unterschied, mit Außnahme das hier bei weitem mehr Motorboote hin und her fahren. Der Gedanke die letzten Tage vor uns zu haben treibt uns aber vorran und wir wollen endlich das schwarze Meer sehen! Als es endlich soweit ist und wir uns am Strand in die Arme fallen, erfahren wir auch, dass zufällig der Namenstag von Sankt Georg ist und an diesem Abend ein großes Fest im Dorf gefeiert wird. Wir mischen uns unter die Leute, feiern unsere Ankunft und als es dunkel ist, gibt es ein großes Feuerwerk. Wir hätten uns keinen besseren Tag aussuchen können um am schwarzen Meer anzukommen und wir haben das Gefühl das alles – jeder zu windige Tag der unsere Ankunft verzögert hat – auf diesen Abend hinlenkte.

Die Ankunft am schwarzen Meer ist aber noch nicht das Ende unserer Reise mit Fortweinix. Wir haben eine Pfadfindergruppe gefunden wo wir unseren treuen Begleiter lassen können. Der Weg dahin führt uns durch das Gewirr aus kleinen Kanälen und am Ende über den größten See Rumäniens. 3 Tage paddeln wir durch dichte Netz, sind uns nie sicher ob wir eignelitch noch richtig sind und müssen uns durch zugewachsene Stellen kämpfen. Wir sind in dem großen Sumpf den wir uns vorgestellt haben! Überall um uns herum sind Pflanzen und die Artenvielfalt an Tieren lässt uns oft vergessen zu paddeln und nur staunend im Kanu zu sitzen. Wir sehen Komorane, Schwäne, Storche, Pelikane und Fischreier. Unmengen an bunten Fröschen die uns abends ein großes Quark-Konzert bieten, kleine und große Seeschlangen, Schildkröten die schnell abtauchen wenn wir näher kommen und Wildschweine die sich mit lauten Geraschel einen Weg durch das Schilf bahnen. Als dann die Blase doch mal drückt, müssen wir (besonders Kathrin) sehr kreativ werden, weil wir auch nirgendswo mal einen Fuß auf festen Boden setzen können, da alles unter Wasser steht, was uns auch gegen abend ein wenig Sorgen macht da wir keinen Platz finden wo wir unser Zelt aufbauen können. Mittlerweile haben wir aber die Gewissheit dass wir jede Nacht schon irgendwie rumbekommen und wenn man es am wenigsten Erwartet findet man doch noch irgendwo ein schönes Fleckchen wo man sein Zelt aufbauen kann – wie auch hier, mitten im Delta, umgeben von purer Natur und einer Ruhe wie man sie selten findet. Die letzte Nacht die wir mit Fortwienix verbringen ist regnerisch und kalt. Wir wollen unsere Schlafsäcke unter einem alten Dach ausbreiten als wir von Fischern in ihr Haus geholt werden, wo wir den Fang des Tages vorgesetzt bekommen und in einem richtigen warmen Bett schlafen können.

Und dann ist es soweit. Unser letzte Paddeltag und der morgen startet sehr windig. Wir paddeln aus den geschützen Kanälen auf den großen Razim See wo wir sofort von den Wellen gepackt werden. Am Ende will uns die Natur nochmal zeigen was sie zu bieten hat und wir kämpfen uns durch die Wellen. Sie türmen sich immer weiter hoch, bis uns eine Welle von hinten packt und im 45° Winkel vor sich her schiebt. Von vorne höre ich nur Kathrins schrei und bin mir nicht sicher ob es vor Freude oder Angst ist. Wir surfen weiter auf den Wellen und fühlen uns trotz alledem recht sicher mit Fortweinix. Nach reichlich anstrengungen und 16 Kilometern über den offenen See erreichen wir endlich das andere Ufer. Die Pfadfinder von „Cercetaşii Marini Constanta“ (Pfadfinder des Meeres) holen uns ab, ein letztes Mal entladen wir Fortwienix und schnallen es auf ihr Auto.

In Visina bauen sie ein Pfadfinder Begegnungs Zentrum, das Delta Scout Center. Ihre Vision ist ab nächsten Sommer internationale Gruppen einladen zu können und gemeinsam Läger zu veranstalten. Die Nähe zu dem See, dem Delta und einem großen Wald machen die Lage perfekt und wir sind gefangen von den ganzen Ideen und der Begeisterung mit welcher sie ans Werk gehen!

In Constanta erholen wir uns ein paar Tage bevor es morgen weiter geht, weiter in die Welt hinaus!

ab in die walachei

Die Zeit bei Roger & Zsuzsi auf der Organic Art Ranch war wieder einmal sehr schön und inspirierend und wir hatten mit den anderen Voluntären Alice, Roxanne, Louis, Antoine und Peter eine Menge Spaß, so dass wir länger geblieben sind als eigentlich geplant. Kringel hat mit Roger ein Dachfenster in das Dach der Scheune eingelassen, das Scheunendach verlängert und geholfen eine andere Scheune abzureissen um das Holz weiter zu verwenden, während ich im Gewächshaus geholfen, das hölzerne Waschbecken bemalt und mich in der Küche an Gerichte mit wilden Kräutern gewagt habe.

Obwohl wir uns in den Apuseni Bergen wieder sehr wohl fühlten, zog es uns Anfang April zurück nach Orsova zu unserem Kanu, was aus seinem Winterschlaf geweckt werden wollte. Wir machten auf unserer Reise zurück zur Donau einen Abstecher nach Timisoara, genossen die entspannte Atmosphäre der frühlingshaften Stadt mit den schönen Gebäuden und kamen am folgenden Tag erstaunt über die grüne Landschaft wieder beim Kanu an.

Am nächsten Morgen packten wir unsere sieben Sachen und beluden das Kanu, dann ging es begleitet mit Sonnenschein frohen Mutes los und wir genossen es, endlich wieder das Paddel in der Hand zu haben. Schon direkt am ersten Tag passierten wir das gewaltige Eiserne Tor und hatten Glück, dass wir nicht lange warten mussten und mit einem Frachter direkt in die Schleuse paddeln konnten. Ganze zwei Stunden später und mit einem Höhenunterschied von 34 Metern fuhren wir weiter. Der zweite Teil des Eisernen Tors wurde abends als es schon zu dämmern begann sogar nur für uns geöffnet. Wir fühlten uns mit unserer kleinen Nussschale winzig in der riesigen Schleuse, waren aber erleichtert darüber die letzte Schleuse der gesamten Tour hinter uns gebracht zu haben. Anschließend paddelten wir durch das Gebiet der Walachei, waren aber immer noch auf dem Grenzgebiet zwischen Bulgarien und Rumänien, was sich erst nach knapp 600 Kilometern änderte, wo wie Donau einen Schlenker nach Norden macht.

Jetzt sind wir seit zwei Wochen mit Fortwienix unterwegs und haben schon ungefähr zwei drittel der Strecke bis zum schwarzen Meer hinter uns gebracht. Endlich spüren wir wieder die Donau um uns herum, sind von Natur und dem gewohnten Plätschern des Wassers umgeben.Wir freuen uns morgens beim Aufstehen über das Vogelzwitschern und je näher wir dem schwarzen Meer kommen, desto mehr seltene Vögel entdecken wir entlang des Flusses. Die Kormorane brüten in Kollonien in den Bäumen, täglich sehen wir Storche, ausgefallen gemusterte Enten, sowie verschiedene Reiher, Kraniche und Gänse.

Wieder einmal sind es die Menschen, die uns so freundlich begegnen und unsere Reise auf der Donau zu etwas ganz Besonderem machen. Die Fischer auf dem Fluß grüssen uns freundlich und fragen uns, wo wir hin fahren; an der Schleuse bekommen wir Wasser geschenkt und auch bei der täglichen Kontrolle der Grenzpolizei entstehen nette Unterhaltungen. An Ostern treffen wir auf einen Mann, der uns an das Ufer heran winkt. Er schenkt uns Ostereier und läd uns auf ein Gläschen Wein in seinen Garten ein. Wir sind umgeben von vielen Hühnern, zwei Katzen, mehreren Ferkeln mit einer großen Sau, sowie seinem kleinen Hund Coco (der um einiges kleiner ist als eins der Hühner). Der Mann ist 80 Jahre alt und sagt, er braucht nicht viel Geld zum Leben, weil er schon am schönsten Ort auf der Welt lebt und glücklich ist. Beschwingt von dieser Einstellung (und auch ein bisschem vom Wein) fahren wir an diesem Tag weiter und geniessen abends ein frisches buntes Osterei zu unseren Nudeln.